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Bastard Ass(i) from Hell #1 - #6

Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #1

© Florian Schiel

Ich werfe meinen Monitor an und schmeisse gleichzeitig die triefende Jacke in Richtung Regal. Die Jacke verfehlt wie immer den Pfosten und gleitet wie ein nasser Putzlumpen zu Boden, wo sich sofort eine Pfütze bildet. Ich lasse sie dort liegen. Sch...wetter! Weil es so kalt in meinem Büro ist und weil die Uni-Leitung offensichtlich zu geizig ist, mein Büro anständig zu heizen, schalte ich alle elektrischen Geräte an, die ich finden kann - auch die, die nirgends angeschlossen sind, auch die, bei denen nur noch das Netzteil und der Lüfter funktionieren. Hauptsache, es kommt warme Luft heraus. Es wird sich hoffentlich auf die Stromrechnung auswirken. Geschieht ihnen recht!

Ich schaue im Kalender nach, was heute ansteht: Zwei Studenten haben sich für die Studienberatung angemeldet. Hm, na gut, was soll's! Es ist Freitag morgen und ich bin gut gelaunt. Ich schicke also ausnahmsweise nur dem einen am Vormittag per mail eine Absage. Das gibt mir Zeit zum Frühstücken in der Kantine. Der Chef kommt erst in einer Stunde.

Als ich zurückkomme, hängt ein Zettel an meiner verschlossenen Türe. Sowas kann ich schon gar nicht ausstehen! Der Handschrift nach ist es der Chef. Jemand anders würde es auch nicht wagen. Ich klebe den Zettel, ohne ihn zu lesen, eine Tür weiter wieder an. Der Chef hat schon öfters bemerkt, dass er unsere gleichförmigen Türen in unserem Betonbunker nicht auseinanderhalten kann. Also bitte!

Dann fahre ich die Schutzschilde aus, mein bewährtes Pappschild mit der Aufschrift 'Versuch läuft - Bitte nicht eintreten', und schliesse die Türe hinter mir. Früher war ich noch so naiv, einen Schild rauszuhängen mit 'Bitte nicht stören' drauf. Das Resultat war, dass die Sekretärinnen - wir haben zwei, eine junge Hübsche und ... aber lassen wir das - also die Sekretärinnen konnten dann erst recht nicht die Finger von der Klinke lassen. Wer weiss, was die sich in ihrer überhitzten Phantasie ausgemalt haben. Jetzt bin ich schlauer geworden. JEDER, der hier schon länger als 7 Tage arbeitet, hat schon einmal einen wichtigen Versuch versaut, weil er einfach durch eine geschlossene Türe hereingeplatzt ist - und wurde daraufhin vom aufgebrachten Versuchsleiter fast umgebracht. Ohne Psychologie kann man hier nicht überleben. Zumindest kann man nicht ANGENEHM überleben.

Ich bin gerade in alt.startrek.gossip.sexual.embarrasment, als das Telefon läutet. Meiner Meinung nach gehören Telefone sowieso abgeschafft. Wo bleiben meine Grundrechte? 'BIG BROTHER IS WATCHING YOU', das ist mein Telefon! Nichts anderes! Email kann man wenigstens zurückschicken, mit der Angabe: 'cannot deliver mail - user got killed'. Ich lasse es viermal läuten, dann hebe ich ab. "Vermittlung", sage ich gelangweilt. Etwas schweigt verblüfft am anderen Ende. Ich lege auf. Zwölfeinhalb Sekunden später versuchen sie's nochmal. Das ist immer so. In ihrer grenzenlosen Dummheit glauben sie, dass sie sich vertippt haben. Um sie in ihrem Glauben zu bestärken, melde ich mich diesmal mit: "Fakultät 16, Dekanat." "Äh..." "Ja?" Ganz zuckersüss. "Ich glaube, ich bin falsch verbunden...." "Was Sie nicht sagen! So früh am morgen schon? Vielleicht probieren Sie es einfach noch einmal?" schlug ich vor, durch und durch hilfsbereit. "Ah, ja", sagt sie erleichtert. Dann besinnt sie sich auf ihre gute Kinderstube."Entschuldigen Sie bitte die Störung." "Aber das macht doch nichts..." Ich überlege, ob die Stimme für eine Einladung auf eine Tasse Kaffee sexy genug klingt. Aber dann lege ich doch auf. Keine Verabredungen mehr ohne vorheriges X-Picture, das habe ich mir geschworen. Ich warte. Die Hand am Hörer. Als es läutet, reisse ich den Hörer von der Gabel und brülle, so laut und agressiv ich kann: "JA?!!!" Es klickt fast sofort. Gut, das dürfte eine Weile vorhalten.

In der group ist gähnende Leere. Also gehe ich ins WWW und lade mir die Bilder von zwei Doktoranden von uns herunter, denen gerüchteweise eine Beziehung nachgesagt wird. Mit Hilfe von Photoshop und den Bildern bringe ich die endlose Zeit bis zum Mittagessen hinter mich. Das Ergebnis, etwas schlüpfrig, aber vom Inhalt gar nicht so unwahrscheinlich, linke ich unter den Key 'Aktuelle Informationen zum Lehrangebot' in unsere Home Page, und schicke eine Mitteilung an alle User, dass es wichtige neue Mitteilungen in der Home Page gibt. Auf diese Weise wird der langweilige Inhalt etwas aufgepeppt.

Nach dem Mittagessen checke ich den Zugriffszähler auf unsere Home Page. Gar nicht schlecht. Eine Zunahme um 16000 % in den letzten zwei Stunden. Gut für unsere Netz-Statistik. Der Chef wird sich freuen!

In der Workstation piept es zweimal und ich entferne meinen Schutzschild von der Türe. 14 Uhr, da macht der Chef immer seine Runde. Ich aktiviere das 'Working Window' an meiner Workstation, ein Dummy-Schirm mit mindestens 40 verschiedenen bunten Fenstern, die chaotisch übereinanderliegen. Die einfachste Methode, blutschwitzenden Hyperstress zu demonstrieren. Pünktlich um 14 Uhr, 7 Minuten und 25 Sekunden reisst der Chef, wie üblich ohne anzuklopfen, die Türe auf. Obwohl ich damit gerechnet hatte, zucke ich zusammen. Das passiert mir jeden Tag und es kotzt mich an! Gequält lächelnd, die Finger noch auf der Tastatur, drehe ich mich um und wische mir nicht vorhandenen Schweiss von der Stirn. "Äh, guten Morgen, Herr Leisch...hrrrm. Äh, ich wollte nur fragen...hrrrm: müssen wir heute noch etwas erledigen?" Sein Blick irrt unsicher und beeindruckt über die vielen farbigen Windows auf meinem Schirm. Ich seufze ergeben, hole den TOPORDNER hervor, in dem unsere wichtigsten Termine und Aufgaben nach Dringlichkeit geordnet abgeheftet sind, blase die Staubschicht weg und überfliege schnell mit gefurchter Stirne die verblichene Liste. Gott sei Dank! Nichts, was einen ruhigen frühen Freitagnachmittag gefährden könnte. Bis auf den Beschwerdebrief der Univerwaltung vielleicht. Sie schreiben, dass der Bundesrechnungshof meine Gehaltsabrechnungen kritisiert hat. Sie seien zu hoch. Das muss man sich mal vorstellen! Der Brief datiert allerdings vom letzten Jahr. Ich ordne ihn unauffällig weiter hinten wieder ein. Vielleicht fällt er mal aus Versehen mal in den Reisswolf. Der Chef schaut mir kurzsichtig über die Schulter und atmet mir in den Nacken. Ich schüttele den Kopf. "Nichts. Absolut nichts,was nicht auch bis Montag warten könnte." Man beachte das Wörtchen 'könnte'. Ich habe nicht gesagt 'kann'! Dass zwei Projektberichte bereits überfällig sind, drei Briefe eigentlich schon Anfang der Woche hätten rausgehen müssen und dass seine Sekretärin - zum Glück die hässliche - gedroht hat zu kündigen, wenn er ihr nicht endlich eine Gehaltsaufbesserung besorge, würde dem Chef nur das Wochenende verderben. "Ah. Das ist aber schön!" freut sich der Chef, und ich freue mich als loyaler Untergebener, dass der Chef sich freut, und fletsche pflichtbewusst die Zähne. "Dann...äh...kann ich ja zuhause noch an dem FGD-Gutachten arbeiten." Ich denke, dass er denkt: "Dann kann ich ja heute nachmittag doch zum Tennisspielen gehen." Und ich denke für mich ganz alleine: "Sobald du weg bist, bin ich auch weg!" Schwierig, wenn man in seinem Job für andere mitdenken muss.

Ich will gerade gehen, als es zaghaft klopft. An meiner Türe. Freitag Mittag. Ich rufe ungläubig: "Herein!" und es erscheint ein blasses Jüngelchen mit verpickeltem Gesicht und strähnigem langen Haar in der Türöffnung. "Äh", sagte es zögernd, "ich hatte mich angemeldet, zur Studienberatung..." Natürlich! Die mail, die ich mir aus falschen Grossmut heute morgen verkniffen hatte. Jetzt habe ich den Salat! Ich bitte das Jüngelchen herein und zu platzen. Es setzt sich ganz vorne auf die Kante und blickt beeindruckt auf die vielen Messgeräte und Rechner. Dann sage ich: "Habt Ihr Euch sonst schon umgetan?" "Häh? Umgetan?" Ich beuge mich vor, fasse sein rechtes Knie und schaue ihm tief in die Augen. "Erklärt Euch, eh Ihr weitergeht, was wählt Ihr für eine Fakultät?" Das Jüngelchen betrachtet mich misstrauisch. Vielleicht geht ihm gerade auf, dass es doch keine so gute Idee war, am Freitag nachmittag zur Studienberatung zu gehen. Jedenfalls nicht bei mir. "Err. Ich dachte ... eigentlich...ich meine..." "Da seid ihr auf der rechten Spur", unterbreche ich den Studenten in spe. "Doch müsst Ihr Euch nicht zerstreuen lassen. Gebraucht der Zeit, sie geht so schnell von hinnen. Ach!" Ich schliesse die Augen, werfe den Kopf in den Nacken und führe den Handrücken theatralisch an die Stirne. Als ich die Augen wieder öffne, hat das Jüngelchen bereits die Hand an der Türklinke. "Err. Ich... mir gefällt gerade ein... ich habe noch einen dringenden... Entschuldigen Sie bitte..." Und draussen ist er. Wir wollen doch keine Studentenschwemme auslösen, oder?


Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #2

Ich überarbeite gerade die Fragen für die diesjährige Zwischenprüfung - ein paar unlösbare Aufgabenstellungen zeigen doch erst, was in den Studenten WIRKLICH steckt - als plötzlich ein ungewohntes Verlangen in mir aufsteigt. Ich nehme die Finger von der Tastatur und überlege. Wieso möchte ich auf einmal aus heiterem Himmel den verschollen geglaubten Schlüssel zum Kaffeeraum zurückgeben? Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, meinen spontanen Regungen nicht sofort nachzugeben, sondern diese zunächst gründlichst zu analysieren. Also gehe ich stracks in die Bibliothek und bewaffne mich mit einschlägiger Literatur. Zwei Stunden später steht die Sache fest: Ganz zweifellos leide ich an einem akuten Anfall von galoppierenden Altruismus in Verbindung mit beginnender Saulus-Paulus-Neurose. Die meisten Autoren warnen vor der Möglichkeit, dass die Sache chronisch bzw. irreparabel wird! Bedauerlicherweise wird kein Gegenmittel genannt. Ich muss also improvisieren.

Kurz darauf verlässt die Bibliothekarin den Raum, um mit ihren Kolleginnen im Sekretariat zu ratschen. Ich schnappe mir die fünf sorgfältig sortierten Karteikartenstapel auf ihren Schreibtisch und hebe jeweils die obersten zehn Karten ab. Den Rest mische ich gründlich durch - ich hätte als Croupier Karriere machen sollen! - und verteile sie wieder auf die fünf Stapel. Oberflächlich betrachtet, schaut noch alles ganz in Ordnung aus. Ich räume noch in zwei Regalen die Bücher um, so dass die 'Reden Platons' jetzt unter 'Tensormathematik' zu finden sind, und verteile meinen ausgelutschten Kaugummi gleichmässig über die Lesesessel.

Jetzt fühle ich mich etwas besser. Ich kann sogar am Sekretariat vorbeigehen, ohne an den Kaffeeraum-Schlüssel zu denken. Um ganz sicher zu gehen, drehe ich auf dem Rückweg in mein Büro jede dritte Leuchtstoffröhre in ihrem Sockel um 90 Grad, so dass sie erlischt. Es ist immer wieder ein Vergnügen, unseren kleinen dicken Hausmeister zu beobachten, wenn er schwitzend wie ein Affe auf seiner Aluleiter hockt und einen Wutanfall nach dem anderen bekommt.

Zurück in meinem Büro rufe ich die Haustechnik an und mache den Leuten Dampf. Ich weiss sowieso, dass die um diese Zeit nichts tun als Kaffee zu trinken und die Abendzeitung von vorne bis hinten durchzulesen. Es sei ein Skandal, sage ich empört, hier oben müsse man sich im Dunkeln seinen Weg suchen. Ich knalle den Hörer auf die Gabel und wende mich wieder meiner eigentlichen Aufgabe heute zu. Die Prüfungsaufgaben brauchen noch den entscheidenden Touch. Ich füge noch folgenden Absatz ein:

"Wichtiger Hinweis: Da sich einige Aufgaben auf die Lösung anderer Teile der Prüfung beziehen, empfehlen wir folgendes Vorgehen bei der Bearbeitung. Lösen Sie zunächst Aufgabe 1 a und d, anschliessend 4 e, f und a. Durch geschickte Kombination der Ergebnisse aus 4 a und 1 d sowie von 1 a und 4 f können Sie bei der anschliessenden Lösung von Aufgabe 2 sofort mit Teil c beginnen. Vorteilhaft ist dann vor der Bearbeitung von 3 a, b und f die Aufgabe 1 b und c zu lösen. Die Ergebnisse letzterer werden zwar erst in 5 c benötigt, aber wegen der recht knapp bemessenen Prüfungszeit sollten Sie nicht unnötig oft die Aufgabenstellung wechseln. Lösen Sie nun die restlichen Aufgaben in beliebiger Reihenfolge. Beachten Sie aber, dass 3 c auf keinen Fall vor 6 a und 6 c idealerweise vor 4 a gelöst werden sollte. Viel Erfolg!"

Ich drucke die Prüfungsblätter aus und schicke sie gleich in den Kopierladen, damit der Chef sie vor der Prüfung nicht mehr zu Gesicht bekommt. Der Chef ist da viel zu lasch; nur geforderte Studenten können zeigen, was sie können!

Inzwischen ist es spät geworden und ich schlendere hinüber in den Hörsaal. Dort warten bereits 30 Studenten seit einer halben Stunde auf mein Hauptseminar. Überlebensregel Nummer 14: Niemals pünktlich zu seinen Lehrveranstaltungen erscheinen. Dozenten, die pünktlich kommen, sind nicht WIRKLICH wichtige Leute. Das lernt jeder Student schon im ersten Semester. Während ich nach vorne zur Tafel gehe, spüre ich negative Schwingungen im Raum und höre gemurmelte Worte wie 'Zeitverschwendung' und 'immer zu spät'. Ich drehe mich mit sorgenvoll gefurchter Stirne um und erkläre, dass ich gerade an den Aufgaben für die Zwischenprüfung arbeite. Die negativen Schwingungen lösen sich schlagartig in Wolken von Angstschweiss auf. 30 Augenpaare starren mich an, 30 Paar Ohren klappen sichtbar nach vorne, 30 zitternde Gestalten hängen an meinen Lippen. "Ja, äh also... ich kann nur sagen ... ", sage ich leise. 30 studentische Oberkörper beugen sich so weit nach vorne wie möglich. "Äh...Sie sollten auf jeden Fall ...ach nein, ich sage jetzt lieber nichts. Das würde Sie nur bei Ihrer Vorbereitung stören. Ausserdem ist dann die ganze Spannung weg." Allgemeines Stöhnen. In der zweiten Reihe sinkt eine Studentin entseelt auf die Bank. Ich merke mir rasch die Studenten, die am lautesten stöhnen, um sie nachher rigoros aufzurufen.

Da ich keine Lust hatte mich vorzubereiten, werfe ich rasch einige Formeln auf die Tafel und murmele kaum hörbar etwas von "... trigonometrisches Konvergenzkriterium unter Annahme der Retrokontraktibilität der angegliederten Tensormatrix mit Pi hoch Theta gegen Null..." Die Studenten pinseln eifrig mit, ohne ein Wort zu verstehen, weil es da gar nix zu verstehen gibt.

Als die Tafel halb voll ist drehe ich mich um und frage mit scharfer Stimme, ob noch jemand zu diesem trivialen Thema Fragen hat. Natürlich hat niemand. Dann rufe ich der Reihe nach die Störenfriede von vorhin auf. Keiner kann etwas dazu sagen. Als ich das Ende der Veranstaltung verkünde, ist die Hoffnungslosigkeit im Raum mit beiden Händen zu greifen.

Es ist drei Uhr. Beschwingt schliesse ich mein Büro heute etwas früher ab als sonst.

Auf dem Weg nach draussen begegnet mir der Chef. Er schaut mich an; ich schaue ihn an. Statt zu sagen, es sei noch etwas früh am Tage, wünscht er mir ein schönes Wochenende. Der Kurs in angewandter Hypnosetechnik letztes Semester hat sich DOCH gelohnt!


Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #3

Im Uni-Parkdeck schnappt mir ein kleiner weisser Fiat frech den letzten freien Platz auf dem unteren Parkdeck weg. Fluchend merke ich mir die Nummer und fahre zwei Ebenen weiter hinauf aufs Dach, bis ich endlich einen freien Platz für meinen Schlitten finde. Mit jeder Treppe, die ich hinuntersteigen muss, steigt meine Wut um 100 Grad Kelvin.

In meinem Büro logge ich mich sofort bei der Datenzentrale der deutschen Autoversicherer ein und suche nach dem weissen Fiat. Aha, der Name kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich suche in unseren Verwaltungsdateien danach, und siehe da: es ist eine Angestellte in der Reisekostenstelle! Und noch dazu die Bearbeiterin meiner Reisekostenabrechnungen! Die RKFH ('Reisekostenstelle from Heaven') ist sowieso ein erklärter Feind des BAFH; daher fasse ich das Manöver des weissen Fiat von heute morgen als das auf, was es ist: eine gezielte Provokation des BAFH durch die RKFH!

Ich suche die Reisekostenabrechnungen der letzten fünf Jahre heraus und brüte eine Stunde angestrengt über Bescheiden, Verordnungen und Abrechnungslisten. Dann wähle ich die Nummer der Sachbearbeiterin mit dem weissen Fiat. Zuerst geht niemand ran. Mit jedem Läuten steigert sich mein Blutdruck um 10 Millimeter Quecksilbersäule. Kurz bevor das Überdruckventil anspricht, nimmt jemand den Hörer ab. "Reisekostenstelle, Mühlstein-Obergauer." Die übliche Mischung aus vorgetäuschtem Stress und Empörung darüber, schon wieder gestört zu werden. Mit anderen Worten, sie hat sich gerade einen Kaffee geholt und sich zu einem gemütlichen Schwatz mit der Kollegin von der Amtskasse (die ich auch schon seit der unseligen Spesenabrechnung von 1989 auf dem Kieker habe!) niedergelassen. "Hier spricht Dr. Hannibald Kohl vom Institut für angewandte Idiosynkrasienforschung", sage ich mit empörter Stimme. "Ja?" fragt sie vorsichtig. Sie kennt den Namen natürlich nicht, weil es ihn gar nicht gibt. Aber weil sie so viele Anträge zu bearbeiten hat, ist sie sich nicht ganz sicher, ob sie den Namen nicht vielleicht kennen müsste. Ausserdem zweifelt man besser nicht an einem Namen, wenn er so ähnlich wie Hannelore Kohl klingt - jedenfalls nicht in diesem unseren Lande. "Ich habe hier seit sieben Monaten einen Reisekostenbescheid über 4000 Mark von Ihnen herumliegen", sage ich wütend, "in dem Sie mir endlich meine Dienstreise nach USA erstatten wollten. Seitdem ist keine müde Mark auf meinem Konto eingegangen!" "Äh, wie war nochmal Ihr Name? Ich hole dann sofort den Vorgang..."

Ich buchstabiere ihr Hannibald Kohl. Sie schluckt den Namen, ohne mit der Wimper zu zucken. Naja, wenn man selber Mühlstein- Obergauer heisst... Drei Minuten später ist sie wieder am Telefon. "Hören Sie bitte? Es tut mir leid. Ich kann keinen Vorgang unter Ihrem Namen finden..." "Das ist ja unglaublich!!!" Ich simuliere einen Erstickungsanfall. "Jetzt hören Sie mir mal gut zu: IHRE Unterschrift ist unter dem Bescheid und IHR Telefon ist hier angegeben. Und jetzt sagen SIE... womöglich haben Sie auch noch alle Belege verschlampt?!" "Könnten Sie mir den Bescheid und eine Kopie des Antrags herüberfaxen?" schlägt Frau Mühlstein-Obergauer verzweifelt als Ausweg vor. "Faxen? Den Bescheid? Natürlich. Den Bescheid schon. Den Antrag habe ich doch schon vor Jahren an die Reisekostenstelle geschickt. Glauben Sie, ich hebe mir Kopien von jedem Kinkerlitzchen auf?!" Natürlich glaubt Frau Mühlstein-Obergauer das nicht. Wir einigen uns darauf, dass ich nur den Bescheid faxe und sie verspricht mir dafür schnellstmögliche Bearbeitung der Überweisung. Ich scanne einen alten Bescheid über 134 Mark ein und ändere mit Photoshop Namen und Reisedaten, und natürlich die Summe. Dann faxe ich das Ganze an die RKFH, zu Händen Frau Mühlstein- Obergauer.

Ich wiederhole die ganze Prozedur im Laufe der nächsten Tage noch dreimal unter den Namen Alois Stoiber, Hans Waigel und Ludwig Gauweiler.

Zwei Wochen später ruft mich mein BBFH an. "Die Amtskasse der Uni versuchte heute, eine ziemlich hohe Summe auf Ihr Konto zu überweisen - allerdings unter vier verschiedenen Namen, die wir nicht kennen. Wir müssen die Überweisungen zurückschicken."

Der 'Bastard Banker from Hell' schweigt erwartungsvoll. "Acht Prozent?" frage ich. "Zehn." "Gebongt. Sie können die nötigen Überweiser gleich zu mir schicken..." Am anderen Ende der Leitung klickert es heftig auf dem Tischrechner. "Gratuliere. Sie sind soeben um 15.124,- Mark reicher geworden", sagt er und legt auf.

Viel später erfahre ich aus verschiedenen Kanälen, dass in der RKFH seit langem mal wieder eine Beamtenstelle zu besetzen sei. Ich leite diese Information sofort anonym an den Bayerischen Rechnungshof weiter, mit dem Erfolg, dass die Planstelle im Zuge der allgemeinen Sparmassnahmen bis auf weiteres nicht mehr besetzt werden darf.

Ein weiterer Punkt für den BAfH.


Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #4

Ich frisiere gerade die Ergebnisse der Zwischenprüfung, damit die Punkteverteilung exakt einer Gaussglocke gleicht, als das Telefon läutet. Ich sitze ausser Reichweite, also überdenke ich zuerst gründlich, ob es sich lohnt aufzustehen und abzuheben. Wahrscheinlich nicht. Nach meiner privaten Statistik bedeutet ein läutendes Telefon in den seltensten Fällen etwas Gutes. Genauer gesagt, handelt es sich in 93% aller Fälle um Jemanden, der irgendetwas von einem will. 5% haben sich verwählt, 1.93% wollen nur wissen, ob man noch lebt und bei der Arbeit ist, und nur läppische 0.07% sind WIRKLICH gute Nachrichten - Lottogewinne zum Beispiel. Extrapoliert man diese Statistik, führt das zur zwingenden Schlussfolgerung, dass es sich nur alle 1420mal WIRKLICH lohnt, ans Telefon zu gehen. Wissenschaft ist doch etwas Wundervolles, nicht? Es bleibt nur noch das Problem herauszufinden, wann die statistischen Ausreisser passieren, wann man also WIRKLICH rangehen sollte. Bis jetzt konnte ich keinerlei Korrelationen feststellen. Leider.

Inzwischen hat der Anrufer aufgegeben und die schwierige Entscheidung hat sich erledigt.

Fünf Minuten später läutet es wieder. Ich stehe seufzend auf und hebe ab. "Hallo", sage ich. Niemand antwortet. Das habe ich gern! Ich will gerade auflegen, als ein kreischendes Quietschen mein Trommelfell zerreisst. Ein Faxgerät! Schon wieder! Ich lege den Hörer auf den Tisch und renne rüber ins Sekretariat. Die Sekretärinnen sind, wie üblich, nicht da. Ich reisse die Stecker des Faxgeräts heraus - dabei werden zwar alle gespeicherten Daten gelöscht, aber ist es vielleicht meine Schuld, dass wir so ein veraltetes Gerät haben? - und renne mit dem Gerät unterm Arm zurück in mein Büro. Dort tausche ich rasch mein Telefon gegen das Fax und warte gespannt.

Seit ein paar Wochen schon terrorisiert irgendjemand den BAFH mit sinnlosen periodischen Faxanrufen. Wahrscheinlich hat der hirnlose Typ sein Faxgerät mit falschen Nummern gefüttert und ist zu blöd zu merken, dass sich das Fax nicht senden lässt. Und sein ebenso blödes Faxgerät versucht es alle fünf Minuten aufs Neue - bis ich vor Wut die Wände hochgehe.

Jetzt! Es läutet wieder. Mein Fax spuckt das erste Blatt aus. Oben in der Kopfzeile ist die Faxnummer des Absenders angegeben. Perfekt!

Ich besorge mir vier dunkelblaue Tonpapiere und klebe sie zu einem langen Band zusammen. Dann füttere ich das dunkle Papierband in mein Fax und wähle die Faxnummer des Hirnlosen. Als das Papier auf der anderen Seite herauskommt, klebe ich es mit Tesaband am Ende fest, so dass eine geschlossene Schleife entsteht. Dann hole ich mir einen Kaffee, setze mich gemütlich hin und beobachte zufrieden, wie nach und nach mehrere Kilometer schwarzes Papier übertragen werden. Das wird ihnen eine Lehre sein!

Während die Telekom und Faxpapierindustrie noch glänzende Geschäfte machen, wende ich wieder meiner eigentlichen Aufgabe heute zu. Die Notenverteilung schaut immer noch nicht nach Gauss aus. Besonders bei 1.0 und 1.3 sind noch zwei statistische Ausreisser. Ich vervollständige die Korrekturen meiner Kollegen mit einigen weiteren schwungvollen roten Haken und Strichen und korrigiere die Punktzahlen nach unten. Auf diese Weise verlagern sich die statistischen Ausreisser irgendwo in die Nähe des Mittelwerts bei 3.7. Zufrieden betrachte ich den Plot. Saubere Arbeit. Der Chef wird sich freuen. Der Chef freut sich immer über hübsche Graphiken. Um die Sache ganz deutlich zu machen, plotte ich in roter Frabe eine echte Gaussglocke über die Verteilung und mit dunkelblau die Grenze zwischen 'Durchgefallen' und 'Bestanden'. Seeeehr schön!

Inzwischen wurde die Faxverbindung dreimal unterbrochen - wahrscheinlich hat der Empfänger aus Verzweiflung den Strom ausgeschaltet - und ich habe ihn dreimal erneut angewählt. Nach meiner Rechnung ist mindestens eine Rolle Faxpapier bereits schwarz. Also lasse ich Gnade vor Recht ergehen und bringe das Faxgerät zurück ins Sekretariat.

Die Sekretärinnen sind mittlererweile wieder zurück und bejammern lauthals den Verlust ihres Faxgeräts. Als ich es nonchalant auf den Tisch fallen lasse, starren mich beide fassungslos an. Ich starre ohne zu blinzeln zurück, bis beide wegschauen müssen. Die Ausgabe für die gelb gefärbten Kontaktlinsen mit den senkrechten Pupillenschlitzen hat sich gelohnt. Keine wagt etwas zu sagen. Sie wissen, dass sie gegen den BAFH keine Chance haben!

Beschwingt schlendere ich in mein Büro zurück. Unterwegs begegnet mir eine reichlich aufgedonnerte Lady mit Schosshund, Typ indische Strandratte, auf dem Arm und geschwungener, mit Glitzersteinen besetzter Schmetterlingsbrille. Sie reckt sich immer kurzsichtig zu dem Namensschild neben einer Bürotür, bevor sie kopfschüttelnd zum nächsten trippelt. "Ach, entschuldigen Sie", sagt sie schmeichelnd zu mir, als ich sie höflich vorbeilassen will. Die Strandratte wittert in meine Richtung, dann knurrt sie leise und drohend. Hunde haben eben einen guten Instinkt, das muss man ihnen lassen - auch wenn ich persönlich aus irgendwelchen Gründen Katzen vorziehe. Besonders schwarze. "Ja?" sage ich, ganz Gentleman, und deute eine leichte Verbeugung an. "Können Sie mir wohl sagen, wo ich das Zimmer von Herrn Dr. Oberschlau finde?" fragt sie und lächelt mich mit zwei Pfund Lippenstift vertrauensvoll an. Ich gucke auf die Strandratte in ihrem Arm. Die versucht, sich in der Armbeuge zu verstecken, und beginnt leise zu winseln. "Aber natürlich", sage ich. "Herr Dr. Oberschlau. Sie sind schon auf dem richtigen Wege. Sie gehen noch bis zum Ende dieses Flurs, dann rechts ein paar Stufen hinunter und durch die erste linke Türe. Klopfen Sie lieber nicht an. Herr Dr. Oberschlau ist leider schon etwas schwerhörig. Haha. Er ist gewohnt, dass jeder einfach zu ihm hereinkommt." Die Lady bedankt sich strahlend und stöckelt in der angegebenen Richtung davon.

Ich warte und überlege. Habe ich jetzt 'linke' oder 'rechte' Türe gesagt? Man kann sich so leicht vertun! Links, gegenüber von Oberschlau, residiert nämlich der Hausmeister und der besitzt eine ziemlich unangenehme...

Aufruhr am Ende des Flures! Das tiefe kehlige Bellen der bissigen Hausmeisterdogge erschüttert die umliegenden Flure. Dazwischen hört man schwach die verzweifelten Hilferufe der aufgedonnerten Tussi und das quietschende Jaulen der Strandratte.

Was bin ich nur für ein Schussel!


Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #5

Es ist 14 Uhr vorbei und ich sitze wie jedermann um diese Zeit bei geöffneter Türe in meinem Büro und warte, dass der Chef seine Runde macht. "Wir sind ein OFFENES Institut", pflegt er ausländischen Gästen gegenüber immer stolz zu betonen. Besonders Russen und Chinesen gegenüber. "Bei uns gibt es keine Geheimnisse. Deshalb stehen unsere Bürotüren immer OFFEN." Die ausländischen Gäste bewundern dann höflich lächelnd (die Chinesen) oder auch weniger höflich lächelnd (die Russen) unsere OFFENEN Türen und fragen sich, hinter welcher verdammten OFFENEN Türe es jetzt endlich was zu trinken gibt.

Sobald der Chef sich nach seinem Rundgang wieder in seinem Büro verzogen hat, schliesst jeder schleunigst seine OFFENE Türe hinter sich, damit er nicht andauernd die Studenten sehen muss, die müssig in den Gängen herumlungern und rauchen, haschen oder was Studenten halt sonst noch so den ganzen Tag machen.

Heute hat sich der Chef verspätet. Oder.... Ich schaue gerade zur offenen Türe, als ein Traum von einem absolut scharfem Mädchen vorüberschwebt. Eine Wolke teueren Parfüms erreicht meine bebenden Nüstern.

Mit einem Satz bin ich an der Türe und ziehe an der roten Schnur, die dort für solche Fälle bereithängt. Der Stapel leerer Computerkartonagen, den ich kunstvoll auf einem der Aktenschränke im Gang installiert habe, stürzt ein wie ein gesprengtes Hochhaus. Genau dem schwebendem Traum vor die hochhackig bewehrten Füsse. Von hinten schaut sie in ihren Hotpants fast noch besser aus als von vorne. Sie quietscht erwartungsgemäss und macht erschrocken einen Satz nach hinten - genau in meine starken (sic!) Arme!

Leider fällt sie nicht auch noch in Ohnmacht - diesmal also keine Wiederbelebungsmassnahmen. "Himmel, müssen Sie sich erschreckt haben", sage ich entsetzt. "Ich habe schon immer gesagt, diese Abfallstapel da werden nochmal jemanden unter sich begraben." Sie ist vor Schreck ganz bleich unter ihrem Makeup und ihr ... äh ... Dekollete (sic!) wogt aufgeregt auf und nieder. Ich führe sie behutsam in mein Büro, setze sie auf meinen Stuhl und bringe ihr ein Glas Wasser. Bevor sie sich noch von dem Schrecken erholt hat, überrede ich sie, mir ihre Telefonnummer zu überlassen, damit ich mich morgen erkundigen kann, ob der Unfall auch keine Folgeschäden bewirkt hat. Dann werden wir weitersehen.... Als wir uns verabschieden, ist sie ganz von Dankbarkeit erfüllt.

Kaum ist sie weg, reisst mich das Telefon aus meinen angenehmen Tagträumen. Ich bin so guter Laune; also hebe ich ab.

"HABEN SIE EIN FAXGERÄT?!" brüllt es durch die Leitung. Ich lege auf. Schlechte Manieren sind mir ein Greul. Nicht mal 'Guten Tag' hat er gesagt.

Das Telefon klingelt wieder. Da sich meine gute Laune hartnäckig hält - ich wundere mich selber! - hebe ich noch einmal ab. "SIE HABEN MIR 150 METER SCHWARZES PAPIER GEFAXT! LEUGNEN IST ZWECKLOS! GEBEN SIE ES ZU!" "Sie sind mit dem Anschluss 897-5674 verbunden", sage ich mit monotoner Stimme. "Leider bin ich im Moment nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht nach dem Piepston. Ich rufe dann sobald als möglich zurück." Ich drücke die Null für den Piepston und warte. "Äh...Hier spricht Leitner... äh... 897-2132. Hrrrm. Hören Sie gut zu! Diese Faxgeschichte von gestern wird noch ein Nachspiel haben! Das garantiere ich Ihnen!!" Der Hörer kracht auf die Gabel. Leitner? Der Name kommt mir bekannt vor. Ich schaue in den Web- Server der Uni und suche nach Leitner. Aha: Leitner, Prof. Dr. F., Kanzler. Sogar mit fortschrittlicher Email- Adresse. Der neue Kanzler also. Klar, der alte hätte sich so einen Anruf dreimal überlegt...

Als kleinen Vorgeschmack schicke ich den Kernel meiner Workstation - immerhin 8 MB - 199mal über den anonymen Email-Server in Finnland an die Emailadresse des Kanzlers. Ausserdem starte ich einen Cronjob, der diese Prozedur in unregelmässigen Abständen wiederholt.

Als nächstes suche ich in der illegalen Autokennzeichen-Datenbasis im Internet nach 'Leitner F.'. Der gute Mann hat drei (sic!!) Wagen angemeldet. Der Mercedes 600 ist wahrscheinlich sein Dienstwagen. Ich rufe bei der Abschleppfirma an, die regelmässig die illegalen Dauerparker in unserer Tiefgarage entsorgt, und gebe denen die Autonummer durch. Der Mann am anderen Ende entschuldigt sich, dass sie erst in einer Stunde kommen können Ich versichere ihm, dass das noch dicke reicht.

Als nächstes schicke ich ein hübsches kleines Skript per rsh auf die Reise, das den altersschwachen Verwaltungsrechner der RKFH ('ReiseKostenstelle From Heaven' - das war aber jetzt das letzte Mal. In Zukunft wisst ihr Bescheid, ok?) zuverlässig in die Knie zwingt. Während die PRIME schnaufend wieder hochfährt, logge ich mich über einen Service-Account dort ein und gehe stracks in die Reisekostenabrechnungen von unserem neuen Kanzler. In den letzten sechs Abrechnungen, die alle noch nicht angewiesen sind (der RKFH sei Dank!), korrigiere ich die Spesenabrechnungen jeweils um zwei Grössenordnungen nach oben. Sodann schreibe ich einen knappen, aber aussagekräftigen anonymen Brief an den bayerischen Rechnungshof, mit genauen Angaben, wo sie die Abrechnungen eines bestimmten Spitzenbeamten mal etwas genauer unter die Lupe nehmen sollten.

Zu guter Letzt vertausche ich im Telefoncomputer der Uni meine Nummer mit der des Sekretariats vom Rektor. Es war sowieso mal wieder an der Zeit, meine Nummer zu ändern. Viel zu viele Anrufe in der letzten Zeit...


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Ich sitze mit meinem neuen, absolut unfähigen Hiwi Xaver in der Cafeteria und wir versuchen erfolglos, die Zeit bis zum Mittagessen totzuschlagen. Es ist Montagmorgen, der Dreizehnte, draussen nieselt es und hier drinnen ist absolut nichts los, was mein Laune verbessern könnte. Falls sich jemand wundern sollte, warum ich mit einem absolut unfähigen Hiwi in der Cafete herumsitze: es ist immer noch besser, sein hirnloses Gebrabbel über mich ergehen zu lassen, als zu beobachten, wie er mein sorgfältig verschachteltes Filesystem im Workstation-Cluster ruiniert. Der Chef hat ihn mir aufs Auge gedrückt. Mit der Begründung, mich 'zu entlasten'. In Wirklichkeit hofft er immer noch, dass jemand es schafft, die ganzen Bugs aus dem Betriebssystem herauszubekommen, die ich in mühsamer Kleinarbeit hineinprogrammiert habe.

Plötzlich fahren die Lider über Xavers gelangweilten Schlafzimmerblick um mindestens zwei Etagen nach oben und seine Augen leuchten auf wie in der Osram-Werbung. Ich drehe mich erwartungsvoll um - jede Abwechslung an einem totlangweiligen Montagmorgen ist ein Geschenk der Hölle - aber es ist lediglich Franky am Eingang der Cafeteria.

Ich sehe an Xavers Augen, dass er Franky noch nie zu Gesicht bekommen hat. Ihm bleibt buchstäblich die Spucke weg. Es ist allerdings auch ein einigermassen atemberaubender Anblick für jemanden, der Franky noch nie zu Gesicht bekommen hat. Noch dazu für einen, der von der TU kommt. Wo man sich die paar Ingenieursstudentinnen mit 500 anderen Ingenieursstudenten teilen muss. Franky zeigt heute die absolute Topfigur in einem mehr als grosszügig ausgeschnittenen, schulterfreien Top und bis zu dem Hüften geschlitztem Maxi-Rock. Alle Klamotten sind schneeweiss und allerbeste Sahne, inklusive die weissen Cowboystiefel, in denen die schlanken tiefbraunen Beine enden. Dazu die wallende goldene Mähne und der typisch leicht entrückte Blick, passend zu den sinnlich halb geöffneten kirschroten Lippen.

Die anderen, erfahreneren männlichen Gäste der Cafeteria reagieren einigermassen relaxed, wogegen die anwesenden Mädels giftsprühende Blicke in Richtung Eingang verschiessen. "Mein Gott! Was für ein Häschen", flüstert Xaver und schluckt mühsam. "Kennst du die?" "Aber klar", sage ich gelangweilt. "Absolut scharfe Nummer. Soll ich...?" Ich mache eine auffordernde Handbewegung. "Meinst du, du könntest uns miteinander bekannt machen?" fragte mein Hiwi aufgeregt. Man sieht, dass ihm schon allein der Gedanke den Mund wässrig macht. Ich betrachte ihn kritisch. Vielleicht sollte ich ein Exempel statuieren. Zumindest würde das mein Laune etwas aufbessern...

Inzwischen hat man sich Kaffee besorgt und lässt nun den strahlend blauen Laserblick suchend durch die Cafeteria schweifen. Ich winke heftig, und man schwebt strahlend lächelnd an unseren Tisch.

Ich erspare mir die Darstellung der absolut entwürdigenden Erniedrigung, die mein Hiwi Xaver innerhalb der nächsten halben Stunde an den Tag legt. Schliesslich lässt sich Franky huldvoll (und errötend!) dazu herbei, die Telefon-Nummer herauszurücken, und die beiden verabreden sich für heute abend zum Essen.

"Geschieht ihm recht", denke ich grimmig, während Xaver wie in Ekstase zurück an seine Arbeit eilt. "Mangelnde Menschenkenntnis muss bestraft werden!"

Zurück in meinem Büro entwerfe ich rasch einen Brief an die zentrale Personalverwaltung der Uni, mit der Bitte, Xavers Hiwi-Vertrag fristlos und ausserordentlich zu kündigen. Als Begründung schreibe ich, dass sein weiteres Verbleiben an unserem Institut aus moralischen Gründen kaum noch vertretbar sei. Insbesondere sei es als bedenkliches Vorbild für die jüngeren Semester zu werten, dass ein Hilfswissenschaftler des Instituts öffentlich Umgang mit einem stadtbekannten Transvestiten pflege. Den Brief adressiere ich zu Händen eines der wenigen Sachbearbeiter, die noch aus nostalgischen Gründen ihr CSU-Parteibuch pflegen. Ausserdem weiss ich zufällig, dass er Mitglied in der Liga 'Für ein sauberes München' ist und schon seit 27 Jahren als stellvertretender dritter Kassenwart im 'Verein katholischer Maiburschen Untermenzig' fungiert. Bei ihm ist mein Brief gewiss an der richtigen Adresse.

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WERBUNG (gesungen)

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass ALLES irgendwie SINNLOS ist? Fühlen Sie sich SCHLAPP und ABGESPANNT und sind immer MÜDE? Geht die ARBEIT nicht mehr leicht von der Hand?

Es KÖNNTE natürlich am Wetter liegen. ODER vielleicht sind Sie allergisch gegen das neue Haarspray?

ES KÖNNTE ABER AUCH SEIN, DASS IHRE FESTPLATTE EINE UNWUCHT HAT!

ALARMSIGNAL. Festplatten mit Unwucht erzeugen beim Rotieren starke niederfrequente Schwingungen, die sich unbemerkt über den Tisch oder den Fussboden bis in Ihren Körper hin fortpflanzen können. Solche schädlichen mechanische Schwingungen beeinträchtigen die Funktion der vorderen Hirnlappen, die für das logische Denken, das Treffen von Entscheidungen und konzentriertes Arbeiten zuständig sind. Die Folge: Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.

LASSEN SIE ES NICHT SO WEIT KOMMEN!

Unwuchten auf Festplatten entstehen durch ungleiche Verteilung der Bytes auf der Oberfläche der Platte. Herkömmliche Festplatten- Controler ordnen die Bytes in möglichst grossen zusammenhängenden Blöcken an. Die logische Folge: Auf einer Seite der Festplatte entsteht ein Uebergewicht an Bytes; die Platte bekommt eine Unwucht!

Helfen Sie dem ab!

Der neue unwuchtsfreie B.A.f.H. Festplatten-Controler mit randomisierter FAT und GVBK ('gaussverteilter Blockungskontrolle') verhindert zuverlässig jegliche Unwucht auf Ihren Festplatten. Geniessen Sie schon wenige Minuten nach Installation die schwingungsfreie Atmosphäre in Ihrem Büro. Ihre Kollegen werden Sie beneiden.

Besorgen Sie sich noch heute den neuen unwuchtsfreien B.A.f.H Festplatten-Controler!

(Fanfare)

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Kaum bin ich fertig, kommt der Chef herein und teilt mir mit, dass unsere Sekretärin (die hässliche) endlich gekündigt hat. Insgeheim registriere ich erfreut, dass persistentes Stänkertum und permanente Quengelei auch heute noch zuverlässige Wirkungen zeigen. Man muss nur am Ball bleiben und nicht so schnell aufgeben. "Ich möchte gerne, dass Sie mir bei der Anstellung einer neuen Sekretärin behilflich sind", sagt der Chef. "Ich?" "Nun ja, ich glaube, dass es keinen Sinn mehr hat, jemanden einzustellen, mit dem Sie nicht auskommen können", sagt der Chef ironisch. Sollte ihm etwa aufgefallen sein, dass wir innerhalb von fünf Jahren sieben verschiedene Sekretärinnen hatten? "Wir werden also die übliche Ausschreibung machen", fährt der Chef fort, "und Sie schauen sich die Bewerberinnen genau an. Ich verlasse mich ganz auf Sie."

Schon eine Woche später sitzt die erste Kandidatin auf meinem Besuchersessel. Auf dem ersten Blick gefällt sie mir nicht gerade; viel zu begeistert und engagiert. "Sie würden also gerne in unserem Sekretariat arbeiten", eröffne ich leutselig das Interview. Die Kandidatin nickt begeistert. Ich registriere den ersten Minuspunkt: Weiss nicht, wovon sie redet, stimmt aber dem Vorgesetzten in spe bedingungslos zu. Kein vernünftig denkender Mensch würde gerne bei uns arbeiten. Schon gar nicht für das mickrige Gehalt, das der Staat zahlt. Es sei denn man hat andere Gründe. Ich frage die Kandidatin nach den Gründen. Als Antwort erhalte ich nur Platitüden. Ich bringe das Interview zu einem raschen Ende. "Sie hören sehr bald von uns", sage ich zum Abschied. Die beiden nächsten Kandidatinnen sind keinen Deut besser. "Was machen Sie, wenn der Chef Ihnen einen Auftrag gibt, der absolut unsinnig ist, vielleicht sogar eine Katastrophe heraufbeschwören könnte?" frage ich beide. Beide antworten mutig, dass Sie in diesem Falle auf eigene Verantwortung das Richtige unternehmen würden. Unfassbar!

Resigniert lasse ich eine vierte Kandidatin hereinkommen. Schon auf den ersten Blick registriere ich den Unterschied. Sie ist deutlich älter als die bisherigen Bewerberinnen, hat funkelnde schwarze Augen hinter blitzenden Brillengläsern, die mich mit Röntgenblick taxieren. Fast habe ich das Gefühl, dass sie mit dieser Brille durch meine Kleider schauen kann. Meine Nackenhaare stellen sich begeistert auf. Nicht schlecht. Ihr tiefschwarzes Haar trägt sie in einem strengen Knoten und ihre dünnen blutleeren Lippen biegen sich an den Mundwinkeln zu einem höhnisch-verächtlichen Zug nach unten. Absolut unauffällige graue Kleidung, schwarze hochhackige Schuhe mit dolchartigen Absätzen. Bewaffnet ist sie mit einer riesigen schwarzen Arzttasche und einem verhängte Vogelkäfig, den sie sorgfältig hinter ihrem Sessel deponiert. "Frau...äh...Bezelmann. Sie würden also gerne für uns arbeiten. Haben Sie denn schon Erfahrung im Umgang mit Studenten?" eröffne ich wie üblich das Interview. Sie schaut mich an, als ob ich sie beleidigt hätte. "Ich tue seit 15 Jahren nichts anderes", raunzt sie mit knarrender Stimme, die etwa so angenehm wie eine schlecht geölte Kellertüre klingt. Faszinierend. Ein leises Knistern liegt in der Luft seit sie mein Büro betreten hat. Oder geht das von dem Vogelkäfig aus? "Was machen Sie, wenn der Chef Ihnen einen Auftrag gibt, der absolut unsinnig ist, vielleicht sogar eine Katastrophe heraufbeschwören könnte?" frage ich sie erwartungsvoll. Sie lächelt grausam. "Bin ich für die Entscheidungen meines Chefs verantwortlich?" fragt sie zurück. Ich sehe an ihren Augen, dass sie am liebsten hinzugefügt hätte: "Wenn ungestraft möglich, giesse ich noch Öl ins Feuer, damit sich endlich was rührt hier!" Ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass ich hier die neue BSFH vor mir habe. "Darf ich fragen, was Sie in dem Käfig da haben?" frage ich am Ende des Interviews. Sie zieht den Schleier herunter. In dem altmodischen Käfig sitzt ein alter, zerzauster und tiefschwarzer Rabe und starrt mich mit gelben Augen an. "Das ist Nero", erklärt die neue BSFH streng. "Ich stelle als Bedingung, dass ich ihn mit in mein Büro bringen darf. Er langweilt sich so zuhause." Kann ich mir gut vorstellen. Der Rabe blinzelt mir zu und ich blinzele zurück. "Gratulation", sage ich. "Sie haben einen neuen Job."

Weiter zu Kapitel 7 bis 12

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