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Bastard Ass(i) from Hell #37 - #42

Nach oben Bastard Ass(i) from Hell #37

© Florian Schiel

Kollege O. ist dienstlich auf den Komoren - und ich 'darf' ihn im 'Praktikum für applikationsorientierte Programmierung', kurz PRAPPRO, vertreten. Ich mache gute Miene zum bösen Spiel und marschiere am Dienstag morgen zu nachtschlafender Zeit hinüber in den CIP-Pool, wo bereits zwanzig Studenten (tatsächlich nur männliche!) im PRAPPRO meiner LEERweisheit harren.

"Meine Herren", sage ich, "heute vergessen Sie mal alle Theorie und bemühen Ihren gesunden Menschenverstand."

Man grinst unsicher und schielt in die Unterlagen, ob der Punkt 'Gesunder Menschenverstand' überhaupt im Vorlesungsprogramm steht. Ich schalte den LEERmonitor aus, gehe nach vorne und male drei geschlossene Türen nebeneinander auf die Tafel.

"Hier sehen Sie drei geschlossene Türen. Hinter einer befindet Hella von Sinnen, hinter einer zweiten Helga Feddersen und hinter der dritten - Michelle Pfeiffer. Sie wissen aber nicht, welche Dame hinter welcher Türe steht - ich dagegen schon. Ihre Aufgabe besteht nun darin, eine der Türen zu öffnen und mit der dahinter befindlichen Dame... hmm... einen Abend zu verbringen. Wen würden Sie natürlich am liebsten finden?"

Ich deute auf einen pubertär grinsende Jüngling in der ersten Reihe. "Äh... Michelle Pfeiffer?" "Richtig! Und wie sind Ihre Chancen?" Ich deute auf seinen Nachbarn. "Ein Drittel." "Korrekt. Also etwa 33 zu 66. Jetzt ändern wir die Spielregeln etwas: Sie entscheiden sich zunächst wie vorher für eine der drei Türen, ÖFFNEN SIE ABER NOCH NICHT! Dann öffne ICH eine der beiden übrigen Türen und zeige Ihnen, dass sich Michelle Pfeiffer dahinter NICHT befindet. Jetzt haben Sie noch einmal die Wahl, ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben oder sich für die dritte, noch geschlossene Tür entscheiden. Bringt diese Möglichkeit zur Umentscheidung irgendeinen Vorteil für Sie?" Zögerndes Kopfschütteln. "Es ist also egal, ob Sie sich umentscheiden oder ob Sie bei Ihrer ersten Entscheidung bleiben?" frage ich.

Ein Student hebt die Hand. "Es ist ganz egal", sagt er selbstsicher. "Denn wir wissen ja jetzt sicher, dass hinter den verbleibenden beiden Türen Michelle Pfeiffer und eine... von den anderen steht. Folglich ist es egal, ob ich mich umentscheide oder nicht. Die Chancen für einen Treffer bei der zweiten Entscheidung stehen 50 zu 50." "Ist das auch die Meinung der anderen?" frage ich in die Runde. Allgemeines Köpfenicken.

"Gut", sage ich. "ICH behaupte jetzt, dass es durchaus einen Unterschied macht. Und zwar behaupte ich, dass Sie bessere Chancen haben, bei Michelle Pfeiffer zu landen, wenn Sie sich IMMER umentscheiden." Das Studentenvolk glotzt ungläubig.

"Wenn Sie mir nicht glauben, biete ich eine kleine Wette an: Ich setzte jeweils fünf Mark pro Mitspieler auf meine Theorie, und Sie - wenn Sie mitspielen wollen - setzen jeder fünf Mark auf Ihre Theorie. Nachdem wir herausgefunden haben, wer Recht hat, wird der Jackpot auf die Gewinner verteilt." Ungläubiges Grinsen; die Studenten gucken sich verblüfft an.

Von wegen 'applikationsorientierte Programmierung'! Diese Frischlinge haben noch keinen Dunst vom wirklichen Leben da draussen! Ich werde dafür sorgen, dass sie zumindest diese Lektion nicht so leicht vergessen!

Der Naseweis von vorhin meldet sich wieder. "Und wie finden wir heraus, welche Theorie die richtige ist?" will er wissen. "Sie sind hier in einem Programmierpraktikum für 'applikationsorientierte Programmierung'", antworte ich süffisant lächelnd, "ist Ihnen das schon aufgefallen? Na, also! Dann programmieren Sie jetzt eine Simulation beider Theorien und lassen ein paar zigtausend Experimente durchlaufen. Dann werden wir ja sehen, wer recht hat..."

Neunzehn von zweiundzwanzig setzen fünf Mark auf die 'fifty/fifty'- Theorie. Die restlichen drei Spielverderber merke ich mir für die Zwischenprüfung vor!

Dann lasse ich die Burschen loshacken. Ich sacke inzwischen das Geld ein und gehe hinüber zum 'Compu 4000', wo ich den neuesten Data-Glove erstehe.

Als ich nach eineinhalb Stunden zurückkomme, sehe ich ringsherum lange Gesichter. Bis auf einen Schmalspur-Programmierer, der einen Bug in seiner Zufallsroutine hatte, haben alle Ergebnisse herausbekommen, die meine Theorie bestätigen. "Sie sehen also, meine Herren", fasse ich zusammen, "den gesunden Menschenverstand benutzen, heisst in erster Linie, ihm nicht zu trauen. Im Zweifelsfalle lieber ERST simulieren, DANN denken!

GROSSES BAfH-WINTERQUIZ

Auf welche Chancen, bei Michelle Pfeiffer zu landen, kommt der BAfH mit seiner Strategie? (Mit Begründung!)

Wer die erste richtige Antwort einsendet, bekommt ein kostenloses Exemplar des neuen Buchs 'ONLINE' zugeschickt, in welchem erstmals die Geschichten des BAfH veröffentlicht wurden (Ladenpreis DM 12.90).

Wer KEINE oder eine FALSCHE Antwort einsendet, wird dazu verdonnert, sich gefälligst selbst ein Exemplar zu kaufen (schliesslich muss ich an meine Tantiemen denken, hähähähä!)!

LETZTE ANMERKUNG DER REDAKTION

Der vorliegende Text wurde von einem Mann unter ausschliesslicher Benutzung von Männern geschrieben und trägt daher deutlich chauvinistische Tendenzen! Überzeugten EmanzipistInnen empfiehlt die Redaktion, VOR DER LEKTÜRE folgenden Befehl auszuführen:

% cat bafh_37 | sed 's/Michelle Pfeiffer/David Hasselhoff/' | \ > sed 's/Helga Feddersen/Ignaz Kiechle/' | \ > sed 's/Hella von Sinnen/Peter Gauweiler/' > bafh_37.emanz

ALLERLETZTE ANMERKUNG DES POSTMASTERS

Es versteht sich von selbst, dass bei diesem Preisausschreiben nur treue Abonnenten berücksichtigt werden können. D.h. für alle diejenigen, die immer noch nicht auf der 'Bastard Mailing List' stehen und trotzdem mitmachen wollen, gilt: ERST SUBSCRIBEN, DANN LÖSUNG EINSCHICKEN!

AUFLÖSUNG UND SIEGEREHRUNG ZUM B.A.F.H. WINTER QUIZ

Tja, Leute.

Leider lieg ich danieder, es hat mich umgewaffelt, sozusagen! Daher gibt's diese Woche keine Geschichte - schiebt's auf die Grippe, wenn ihr unbedingt einen Schuldigen braucht!

Immerhin hab' ich schon wieder eine vage Vision von einem rotzenden, hustenden BAfH, der mit echten und Computerviren eine wahre Ansteckungsorgie bei Mensch und Maschine auslöst. Nun ja, davon vielleicht nächste Woche...

Für heute bleibt mir, den glücklichen Sieger im GROSSEN BAFH WINTER QUIZ vorzustellen. Es ist...

Ja, ganz so leicht war die Sache natürlich wieder mal nicht (wie sollte sie auch!):

Ich hatte geschrieben, das derjenige zu Sieger bekränzt würde, der als ERSTER und mit BEGRÜNDUNG die RICHTIGE Lösung einschicken würde.

Nun ja, RICHTIG waren die Lösungen (bis auf eine) alle. (Was mir schon verdächtig vorkam, aber entweder ist das Rätsel schon zu abgelutscht oder es haben halt nur die ganz hellen Köpfe email!)

Als ERSTER hat HANNO WAGNERs mail in meinem Postkasten geklingelt. Mit zwanzig Minuten nach Verschicken der Story ein Guinessbuch-verdächtiger Rekord. Nur leider passte mir seine Begründung nicht so ganz. Also schickte ich sie wieder zurück mit der Bitte um Nachbesserung.

Wahrend Hanno noch fieberhaft hackte, klingelte TOM KÖHLERs Antwort im Kasten. Die Begründung war makellos, fast druckreif. (Tatsächlich behauptete später jemand, dass er diese Begründung genauso in einem Lehrbuch schon mal gesehen hätte...)

Wenige Minuten später war Hanno wieder da, mit einer sehr schön nachgebeserten Lösung.

Was tun? Ich wollte erst zwei Sieger erklären, als eine weitere mail von Tom Köhler eintraf (der mit der Lehrbuchlösung). Er verzichte sozusagen auf die Siegprämie, weil er 'die Lösung schon gekannt habe'.

Nun, ja.

Einer solch noblen Geste kann ich mich nicht verschliessen und erkläre somit

THOMAS KÖHLER
zum Sieger
und
HANNO WAGNER
zum gewinnenden Sieger

Herzlichen Glückwunsch!

(Hanno! Von dir brauch' ich noch die Adresse!)

Und für alle die immer noch nicht wissen, mit wieviel Chancen der BAfH bei Michelle Pfeiffer (da wars wieder!) landet, kommt hier die Musterlösung von Thomas Köhler:

2/3

Es gibt verschiedene Begründungen, aber die einfachste ist die Simulation der Wahrscheinlichkeiten:

Tor 1 Tor 2 Tor 3
x o o

(ich will x)

Meine Wahl Quizmaster zeigt Umentscheidung auf Sieg?
1 2 oder 3, egal auf 3 oder 2 nö, schade
2 3 1 Ja!
3 2 1 Ja!

Spielstand: 1:2 für mich ... macht also 2/3 ... und das geht genauso, wenn x bei 2 und 3 ist ....

so ist das zumindest am Anschaulichsten

genauer ist: ich habe 2/3 Chance, mich am Anfang fehlzuentscheiden. Bei Umentscheidung treffe ich bei vorheriger Fehlentscheidung IMMER die richtige ... also hebe ich beim Umentscheiden dann genau die 2/3 Chance. Es ist also bei der Strategie immer besser, sich fehlzuentscheiden ... und wahrscheinlicher ;-)))


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Ich sitze in meinem Büro und beobachte zähneknirschend, wie sich der Minutenzeiger auf die volle Stunde zu bewegt. Elf Uhr: Zeit für die Studienberatung. Widerstrebend lege ich den Hörer auf die Gabel zurück.

Eigentlich hätte das nicht passieren dürfen. Die anderen haben mich glatt überrumpelt. Letzte Woche beim Kaffeetrinken sagt der Kollege O. plötzlich mit einem Seitenblick auf mich: "Wir müssen ja noch auswürfeln, wer dieses Semester die Studienberatung macht." Und bevor ich noch Piep sagen, geschweige denn die Spezialwürfel aus meinem Büro holen kann, hat er schon ein paar Würfel herausgezogen. Eine Zwei und eine Drei! Schon im ersten Durchgang glatt verloren. Die hämischen Gesichter, das schadenfrohe Grinsen, Frau Bezelmanns herabgezogene Mundwinkel! So was darf einem BAFH nicht passieren! Wo bleibt mein schlechter Ruf?

Wäre ich Klingone, würde ich jetzt sagen, ich wäre entehrt und der Name meiner Familie in den Schmutz gezogen. Und dann würde ich mich im schalltoten Raum einsperren und mit dem Schmerzstock geisseln.

Zum Glück bin ich pragmatischer veranlagt. Zunächst lasse ich meinen speziellen Spell-Checker über sämtliche Textdateien des Kollegen O. laufen. Während ich noch beobachte, wie unzählige Kommata ihren Platz tauschen, klingelt das Telefon.

"Hallo", sage ich. "Ist dort die Studienberatung für das Fach <zensiert>?" fragt eine schüchterne Stimme.

Ich bestätige, dass dem so sei, und füge mit der freien Hand noch ein paar Dutzend 'vorallem' in O.s Texte ein.

"Ähm... also... äh... es ist so, dass... ich... ich dachte, dass... ähm... also ich weiss gar nicht, wie ich... jedenfalls wollte ich mich eigentlich erkundigen... ähm..."

Dieser Job ödet mich an!

Um die Sache abzukürzen, sage ich: "Sie haben gerade Ihr Abitur bestanden und möchten jetzt studieren, wissen aber nicht was. Unser Fach klingt toll, aber Sie wissen überhaupt nichts darüber. Also machen Sie sich Sorgen, ob es die richtige Entscheidung ist, die Sie jetzt treffen müssen, von wegen Berufsaussichten und so. Und dann wissen Sie ja nicht, was in so einem Studium so alles verlangt wird, und ob Sie das überhaupt schaffen können, und ob es Spass macht. Ausserdem sind Sie 18 Jahre alt, haben braune Haare und schwärmen für Pferde. Und am liebsten hätten Sie es, wenn Ihnen jemand diese Entscheidung abnehmen würde, wie es Ihre Eltern bisher immer getan haben."

Ich höre, wie am anderen Ende der Leitung jemand nach Luft schnappt.

"Woher wissen Sie das alles?! Sind Sie Hellseher?" keucht sie. "Ich mache den Job schon länger", erkläre ich und pflanze ein paar der neuesten bulgarischen Viren an strategische Stellen in O.s Account.

"Aber... aber mein Alter, meine Haarfarbe..." Soll ich ihr jetzt auch noch erklären, was angewandte Statistik ist? Das Ganze dauert schon viel zu lange! "Wollen Sie nun eine Antwort oder nicht?" sage ich. "Wwwwworauf??" "Ob Sie unser Fach studieren sollen oder nicht", erkläre ich seufzend. "Ähm... ok." "Lassen Sie's", sage ich und lege auf.

Ich hasse diesen Job! Kollege O. wird seine Textdateien nicht wiedererkennen! Sicherheitshalber fahre ich einen zusätzlichen Backup- Zyklus über seinen Account, damit die Änderungen auch auf den Bändern zu finden sind.

Es klopft. Ein junger schlaksiger Mann mit erstaunlich weit abstehenden Ohren und schmalzigem Haar betritt bewaffnet mit einer Schulmappe mein Büro. Er sei im ersten Semester und möchte sich gerne beraten lassen. Ich frage geduldig, worum es sich handele. "Nun, ja", sagt er unsicher, "ich verstehe nicht ganz, was ich alles als Voraussetzung zur Diplomvorprüfung haben muss."

Oh Hölle!

"Aha", sage ich und deute einladend auf den Besuchersessel, "überhaupt kein Problem. Haben Sie was zum Schreiben mit? Gut, also als Zulassungsvoraussetzung zur ersten Diplomvorprüfung (ZVDVPI) brauchen Sie zunächst einmal natürlich den grossen Hauptfachschein A1 und drei Nebenfachscheine der Klasse B, wobei Sie beachten müssen, dass jeder von den letzteren mindesten dreieinhalb Semesterwochenstunden abdecken muss. Alternativ können Sie auch eine Studienarbeit von mindestens zwei Monaten, aber nur von sogenannten fachrelevanten Fächern einbringen; das erspart Ihnen einen B5 Schein, aber nur B5, klar? Die Voraussetzung für die Anerkennung der Studienarbeit sind allerdings entweder fünf bestandene, d.h. mit mindestens Note 4.0 benotete Hausarbeiten im Hauptfachschein, aber nicht in borelanischer Fluidmechanik, oder die Teilnahme am BOD-Praktikum, wobei Sie nur die erste Hälfte erfolgreich absolviert haben müssen. Desweiteren brauchen Sie als ZVDVPI die erfolgreiche Abnahme in einem Klasse V Praktikum - das ist entweder den grossen Verwaltungs-Management- Schein (VMS) oder das Praktikum der Programmierung, Teil 1 (PDP11) - oder sie bringen zwei Jahre Berufserfahrung aus einen früheren Leben - Verzeihung, ich meine natürlich - Studium ein. Letzteres muss aber vom FB, vom Fachbereichsrat, auf gesonderten Antrag genehmigt worden sein. Sie können sich bei einer etwaigen Ablehnung aber auch direkt an... Stimmt was nicht?"

"Ich... ich glaube, ich schaue mir das nochmal in Ruhe im Vorlesungsverzeichnis an", stottert das Bürschlein.

Warte, so leicht kommst du mir nicht davon! Ich drücke ihn sanft aber entschieden auf den Stuhl zurück und fahre fort: "Da steht aber bei weitem nicht alles drin, was Sie wissen müssen! Passen Sie auf: statt dem vorhin erwähnten BOD-Praktikum können Sie sich auch einem BOD-Eignungstest unterziehen, nach dessen Bestehen Ihnen das Praktikum erlassen wird. Anstelle des vorgeschriebenen KI-Scheins ist es auch möglich, drei extra B3-Klassen-Scheine zu machen, sogar an anderen Hochschulen in München, wenn Sie den Schriftführer des Vordiplomprüfungsausschusses, kurz SdVDPA, überzeugen können, dass Sie ein Härtefall der Stufe drei sind. Um als Härtefall anerkannt zu werden, genügt ein einfaches, formloses Schreiben an das KuMi, zu deutsch Kultusministerium, und zwar an den Sachbearbeiter Grötzenweiler. Grötzenweiler, auch Gröwei genannt, ist seit Jahren bekannt dafür, dass er die zugrunde liegenden Fakten in den an ihn gerichteten Gesuchen nicht nachprüft. Schreiben Sie also getrost, dass Sie seit zwei Jahren debil sind; das genügt normalerweise für einen Härtefall der Stufe drei. Andererseits könnte es für Sie auch von Vorteil sein, wenn Sie die SSL (Sonder-Studium-Laufbahn) einschlagen wollen. Aber für eine SSL brauchen Sie mindesten einen Monat Vorlaufzeit, weil die Sekretärin im Dekanat diese Anträge immer ganz unten einordnet (sie verwechselt SSL immer mit 'sichtbarer Slip-Linie'). Ein dezenter Blumenstrauss kann da Wunder wirken, wenn Sie es geschickt anstellen. Das alles müssen Sie unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn Sie Ihr erstes PC-Gespräch haben. Wer ist eigentlich Ihr PC?" "Wwwwas?" "Ihr 'Persönlicher Coordinationstutor' natürlich." "Ich... ich weiss nicht... ich glaube, ich habe gar keinen..." Ich ziehe die Augenbrauen hinauf, soweit ich kann. "Kein PC-Gespräch bisher? Hm, sagen Sie jetzt nicht, dass Sie gar nicht <zensiert> studieren, sondern <zensiert>?" Der Bursche schluckt und nickt angestrengt. Beim Schlucken wackeln seine knallroten Ohren. "Ach so", sage ich und lehne mich weit zurück, "warum haben Sie das nicht gleich gesagt. Dann schaut die Sache wieder ganz anders aus. Passen Sie auf..." Aber der Student ist schon auf dem Weg zur Türe. "Ich... ich glaube, ich muss mir das mit dem Studium nochmal genau überlegen..." Ich nicke ernsthaft mit dem Kopf. "Tun Sie das! Nur nichts überstürzen! Und wenn Sie noch irgendwelche Detailfragen zum ZVDVPI haben oder einen PC brauchen, dann wenden Sie sich vertrauensvoll wieder an mich..." Der Bursche wird schlagartig grün im Gesicht und stürzt hinaus - in Richtung Toilette. Soweit ich das hören kann, schafft er es nicht mehr rechtzeitig.

'BOD' steht übrigens für 'Blöd oder Doof'.

Anmerkung der Redaktion: Falls Sie meinen, in obig geschilderter Situation eigene oder aus dritter Hand berichtete tatsächlich ereignete Erlebnisse wiederzuerkennen oder glauben, dass Sie einen ziemlich ähnlichen Text in Ihrer Studienordnung gelesen haben, so ist das vom Autor beabsichtigt und eventuell sollten Sie mal mit Ihrer Mutter darüber reden (oder auch nicht!).


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Ich mache meinen üblichen Rundgang durch die Labors und bemerke 3 (in Worten DREI) Workstations, die entgegen meiner ausdrücklichen Anordnung nicht am unterbrechungsfreien Stromkreis angeschlossen sind. Das verdriesst mich, weil ich (im Gegensatz zur Haustechnik) das normale Stromnetz nicht beeinflussen kann. Den unterbrechungsfreien Stromkreis schon, weil er von einer speziellen Überwachungselektronik kontrolliert wird, die zufälligerweise über eine serielle Schnittstelle mit meiner Sun gekoppelt ist.

Da ich nur ungern die Kontrolle aus der Hand gebe, beschliesse ich, unseren unbotsmässigen Mitarbeitern den Nutzen des unterbrechungsfreien Stromnetzes ein für alle mal deutlich zu machen. Ich öffne die Kaffeemaschine und schliesse die Heizwendel mit einem hauchdünnen Eisendrähtchen kurz. Das nächste Mal, wenn jemand die Kaffeemaschine ansteckt, fliegt natürlich die Sicherung und die unbotsmässigen drei Workstations verenden wegen akuten Elektronenmangels. Und weil der Kurzschluss den dünnen Eisendraht vollständig verdampft, bleibt keinerlei Spur zurück. Das perfekte Verbrechen!

Kaum bin ich zurück in meinem Büro - ich durchsuche gerade die User-Mail nach interessanten Themen - klopft es zaghaft an meine Tür. Da ich pro forma noch Sprechstunde habe, hole ich das WW (Working Window) auf den Bildschirm und rufe: "Herein!"

Die Antwort ist ein Geräusch irgendwo zwischen Luftschutzsirene und Heulboje, das schlagartig um 30 dB zunimmt, als sich die Türe öffnet.

Im Türrahmen steht eine nicht unhübsche, aber mir unbekannte Studentin und lächelt mich entschuldigend-freundlich an. In ihren Armen, fest umklammert - wahrscheinlich damit es nicht entkommt - hält sie ein zuckendes Stoffbündel, in dem sich offenhörlich die Quelle des unnachahmlichen nervenzerreibenden Geräuschs befindet: ein ziemlich rotgesichtiges und ganz offensichtlich schlecht gelauntes Baby.

"Sie mag es nicht, wenn man sie aus ihrem Buggy hebt", ruft die Studentin mir erklärend über dem ohrenbetäubenden Lärm zu. Ich kann sie kaum verstehen. Beim Versuch, das wild um sich schlagende Baby in seinem Stoffbündel zu halten, dreht sie es zufällig so, dass sein Blick auf mich fällt. Zwei grosse dunkelblaue Augen starren mich an und - schlagartig verstummt der Lärm. Das Baby lacht plötzlich. "Gott sei Dank", atmet die junge Mutter auf, "sie mag Sie. Wissen Sie, ich habe gleich ein Referat zu halten und ich kann sie schlecht mit in den Seminarraum nehmen. Daher habe ich gedacht, dass Sie... Sie sind ja sowieso während Ihrer Sprechstunde hier, und da dachte ich... Normalerweise bitte ich Frau Bezelmann, auf sie aufzupassen, aber ich kann sie gerade nicht finden... Sie heisst übrigens Pia. Es wird keine halbe Stunde dauern, das verspreche ich, vielleicht 40 Minuten, höchstens 50. Ich bin dann sofort wieder da. Am besten lassen Sie sie die ganze Zeit in ihrem Buggy sitzen, da fühlt sie sich wohl und..." Während das alles aus dem Munde der Studentin hervorsprudelt, hat sie geschickt eine Art Kleinkinderwagen auf autonom lenkbaren Zwillingsreifen in mein Büro bugsiert und das blauäugige Baby namens Pia hineingeschnallt. "... und ich bin sicher, dass sie ganz brav sein wird. Für den Notfall steckt hier hinten eine Flasche mit Tee - sie können es ihr ruhig ungewärmt geben - und an der Stange hier hängt ihr Dutsi, den verlangt sie manchmal, aber wundern Sie sich nicht, wenn sie ihn verkehrt herum hineinsteckt... Sie wissen ja gar nicht was Sie mir für einen Gefallen tun..."

Ich muss zugeben, dass ich das bis vor ein paar Sekunden wirklich nicht wusste. "... das Referat ist sehr wichtig für mich; ich brauche unbedingt diesen Schein... Oh, mein Gott! Ich bin schon viel zu spät dran! Also bis gleich dann..." "Aber...", sage ich - aber sie ist schon weg.

Ich starre die geschlossene Türe an. Das sollte eigentlich ein ruhiger Tag werden. Ich wollte in aller Ruhe die User-Mail durchschauen, in ein paar Personalakten herumstöbern und ein, zwei Beschwerdebriefe an die RKFH verfassen. Und jetzt dies!

Ich schaue das blauäugige Baby an. Es hat die ganze rechte Hand bis zum Unterarm in den Mund gesteckt und schaut mit seinen dunkelblauen Augen ernsthaft zurück. "Pia?" sage ich versuchsweise. Es lacht. Es lacht und antwortet etwas, was ungefähr wie "Gigjigjikaikaioooh!" klingt. Aus dem Gesichtsausdruck schliesse ich, das es etwas Fröhliches sein muss, ansonsten verstehe ich kein Wort.

Was soll ich jetzt machen? Der 'Leitfaden für den Bastard X from Hell' hat für diesen Fall keine Eintragung vorgesehen.

Während ich nachdenke, hat sich das Baby - Pia, wie ich es in Geiste schon nenne - eine Messstrippe geangelt und den Bananenstecker in den Mund gesteckt. Die rote Gummiisolierung scheint ihr zu schmecken, denn sie beginnt, die meterlange Strippe mit erstaunlichem Appetit in den grossen Mund zu schieben.

Ich habe die vage Idee, dass das keine adäquate Beschäftigung für Damen in ihrem Alter ist, und gehe hinüber, um Pia die Strippe abzunehmen. In diesem Moment läutet das Telefon. Mit der einen Hand hebe ich ab, mit der anderen ziehe ich vorsichtig am Ende der Messstrippe.

"Ja?" sage ich.

Es ist die RKFH. Sie möchten bezüglich meines Beschwerdebriefes von vor 7 Monaten einige Fragen klären. Pia hat sich inzwischen in den Stecker verbissen und möchte ausprobieren, ob ich sie daran aus dem Kleinkinderwagen auf autonom lenkbaren Zwillingsreifen heben kann. Währenddessen verhandele ich über meine Spesenabrechnung von Honolulu. Aber ich bin nicht ganz bei der Sache, was auch der RKFH auffällt. "Stimmt etwas nicht?" fragen sie irritiert. "Nein, alles in Ordnung", versichere ich. "Moment... ah! Jetzt hab' ich dich..."

In diesem Moment verlässt der Bananenstecker mit deutlich vernehmbarem Ploppen den Babymund. Pia bedauert, dass das herrliche Spiel schon zu Ende ist, und schaltet ihre Luftschutzsirene ein. "Hören Sie, wenn ich lieber später nochmal anrufen soll...", schlägt die RKFH vage vor. Ich versichere schreiend, dass alles in Ordnung sei. "Das sind die Handwerker auf dem Dach, verstehen Sie? Die machen einen Höllenlärm, wenn sie die Verkleidungsbleche aufsägen..." Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass irgendein Handwerker so etwas zustandebringt, aber die RKFH akzeptiert die Erklärung. Trotzdem meinen sie, dass ich besser wieder anrufen solle, wenn sich der Lärm etwas gelegt hat.

Erleichtert ziehe ich den Stecker des Telefons aus der Wand. Dann denke ich scharf nach, wie das Problem zu lösen sei. Nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz, Verordnung über Lärmschutz am Arbeitsplatz, darf man sich einem Lärmpegel von über 100 dB maximal 10 Minuten am Tag aussetzen. Ich schätze, der Lärmpegel in meinem Büro beträgt in den Spitzen zur Zeit etwa 115 dB. Ich muss also schleunigst etwas unternehmen!

In der Werkstatt leihe ich mir ein paar Lärmschützer, genannt 'Rabbit Ears' aus und eile zurück zu meinem Büro. Vor der geschlossenen Türe steht Marianne und lauscht mit schiefgelegtem Kopf. "Was ist das für ein infernalischer Krach, der da aus Ihrem Büro kommt? Hören Sie eine klingonische Oper?" fragt sie. "Das klingt ja fast wie..." Ich erkläre hastig, dass die Lager in meiner Festplatte dringend geschmiert werden müssen, und frage, ob sie nicht schon längst Aufsicht im Mikroprozessor-Praktikum halten müsse.

Wieder im Büro schliesse ich als erstes die Türe hinter mir ab. Wenn jemand erfährt, dass ich auf ein blauäugiges Studenten-Baby aufgepasst habe, verliere ich meinen schlechten Ruf!

Mit den Rabbit Ears ist der Lärm unterhalb der Schmerzgrenze und ich kann weitere Schritte unternehmen. Was mache ich sonst, wenn ich bei einem Problem mit der Verwaltung nicht weiterkomme? Richtig! Erpressung oder Bestechung!

Da ich mit der Erpressung von Babies wenig Erfahrung habe, suche ich zunächst nach der Teeflasche für Notfälle. Nur anhand des Gummisaugers kann ich messerscharf schliessen, dass es sich bei dem merkwürdig geformten durchsichtigen Objekt mit grell-rotem Inhalt um die Teeflasche handeln muss. In meiner Erinnerung sahen Babyflaschen ganz anders aus. Egal! Ich zeige Pia die Teeflasche und erkläre ihr langsam und deutlich, dass sie sofort Tee bekomme, wenn sie mit dem infernalischen Lärm aufhöre. Keine Wirkung. Der Lärm geht weiter.

Vielleicht funktioniert das bei Babies anders als bei Verwaltungsangestellten, vielleicht muss man das Bestechungsgut zuerst aushändigen, bevor man die Ware erhält. Ich halte Pia, die mittlererweile bläulich angelaufen ist, vorsichtig die Flasche in Reichweite. Ein perfekt gezielter Handkantenschlag befördert das Bestechungsgut auf meinen Schreibtisch. Dort prallt das zum Glück unzerbrechliche Ding an meinem Display ab.

Leider löst sich der Gummisauger und die grell-rote Flüssigkeit ergisst sich in mein Keyboard. Auf dem Display zuckt es und es erscheinen einige Seiten Hieroglyphen, bevor meine Workstation das Handtuch wirft und einen Notfall-Shutdown einleitet.

Als letzten Ausweg halte ich Pia ihr 'Dutzi' vors Gesicht. Sie greift danach, einige gewaltige Schluck-Schluchzer, die Sirene läuft langsam aus. Ich atme auf.

Ich beseitige gerade den teuflisch klebrigen Tee von meinem Schreibtisch, als es klopft. "Äh... hrrm... Leisch? Sind Sie da... äh... drin?" Der Chef! Ausgerechnet jetzt! Ich öffne die Türe einen Spalt und schlüpfe hinaus. "Ah... äh... was wollte ich noch... Ach, ja! Ich wollte Sie... hm... über den... den... Dings... den... äh... Stand im SCHWAFEL Projekt fragen. Ist da noch... ähm... Geld übrig?" "Ich hole schnell die Akte", sage ich und will wieder durch den Türspalt. Der Chef schaut mich verwundert an. "Ich... ich habe gerade Besuch", sage ich vage. der Chef nickt verstehend. In dem Moment, als ich die Türe offen habe, entscheidet Pia, dass ihr Dutzi an die Qualitäten einer Messstrippe nicht herankommt und schaltet ihre Luftschutzsirene probeweise auf halbe Kraft. Der Chef reisst die Augen auf. "Aber... aber das ist doch... das ist doch ein... Dings... ein... äh... Baby?" Da es wenig Sinn hat, es weiter zu leugnen, öffne ich die Türe ganz und rolle den Kleinkinderwagen auf autonom lenkbaren Zwillingsreifen etwas hin und her, damit das Geheule auf einen erträglichen Pegel absinkt. "Oh", sagt der Chef und bekommt den typischen grossväterlichen Glanz in den Augen. "Ich wusste gar nicht, dass... dass Sie ein äh... Baby haben..." "Das habe ich auch nicht", beeile ich mich zu versichern. "Aber... aber das ist doch ein Baby." "Ja, natürlich", gebe ich notgedrungen zu. Zu allem Überfluss tauchen jetzt Kollege O. und Marianne im Flur auf. "Nein, wie süss!" ruft Marianne und späht dem Chef über die Schulter, der in die Hocke gegangen ist und etwas wie: "... äh... heitetei.... hrrm... ähm... heiteiteitei... äh..." von sich gibt. "Ich wusste ja gar nicht...", murmelt Kollege O. verblüfft und schüttelt mir aus irgendeinem Grunde krampfhaft die Hand. Wie sollte er auch. Ich wusste es ja bis vor ein paar Minuten auch nicht. "Wie aus... äh... aus dem Gesicht... hrrm... Gesicht geschnitten..." kommt es vom Chef. Ein fürchterlicher Verdacht steigt in mir auf. "Wie heisst den der Kleine?" fragt Marianne. "Die Kleine", sage ich erschöpft. "Sie heisst Pia." Marianne beteuert, dass das ein ganz süsser Name sei für ein Baby. Drei Studentinnen gesellen sich zu der Versammlung in meinem Büro.

Während immer mehr Leute hereinströmen, versuche ich vergeblich zu erläutern, wie ich zu dem Baby gekommen bin. Komischerweise scheint niemand auf meine Worte zu achten. "Ja, ja", sagen sie und haben nur Augen für Pia.

Pia hat inzwischen den halben Feueralarm eingestellt und schaut mit grossen Augen in die vielen fremden Gesichter. Die Mundwinkel verziehen sich nach unten und sie beginnt zu weinen, was grosse Bestürzung unter den Anwesenden auslöst. Marianne befreit sie aus dem Kleinkinderwagen auf autonom lenkbaren Zwillingsreifen und nimmt sie auf den Arm, was das Weinen noch mehr verstärkt. Ratlos blickt Marianne sich um und ihr Blick fällt auf mich. "Nehmen Sie sie", sagt sie, " dann beruhigt sie sich sicher wieder." "Das bezweifle ich", sage ich bitter eingedenk der vergangenen Stunde. Aber der soziale Druck der Versammlung ist zu gross: ich muss Pia auf den Arm nehmen. Sofort packt sie mit erstaunlicher Kraft mein linkes Ohrläppchen und versucht es abzuschrauben. Gleichzeitig sabbert etwas Warmes in meinen Kragen. Pia gluckst fröhlich. Alle Anwesenden lächeln gerührt und nicken sich bestätigend zu. Es ist ein Alptraum!

Als die Studentin eine Stunde später als angekündigt Pia abholen kommt, habe ich mich soweit wieder gefangen, dass ich sogar schon die versaute Tastatur auswechseln kann. "War sie brav?" erkundigt sich die Mutter mehr bei Pia als bei mir. "Wie ein Engel", erkläre ich sarkastisch und überblicke meinen versauten Schreibtisch. Die junge Mutter bedankt sich enthusiastisch und steürt den Kleinkinderwagen auf autonom lenkbaren Zwillingsreifen zur Türe hinaus. "Moment noch", rufe ich ihr nach. "Wenn Sie nochmal unbedingt einen Schein brauchen, dann sagen Sie es einfach, ok? Ich stelle Ihnen jeden, JEDEN Schein aus, den Sie möchten, klar?!"


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Ich sitze friedlich in meinem Büro und versuche, den neuesten Rechner der RKFH ('ReiseKostenstelle From Heaven') zu knacken. Es ist ein früher Donnerstagmorgen, und plötzlich fällt mir auf, dass wir schon mindestens seit den Sommerferien kein einziges Donnerstags-Lotto mehr veranstaltet haben.

Bother!

Dabei ist jetzt, wo die ganzen Studenten endlich von ihren Weltreisen zurück sind, die beste Zeit dafür!

Also gehe ich zu unserem Materialschrank neben dem Kopierer und begutachte den üblichen Stapel Kopiererfolien, die dort für die Mitarbeiter und Studenten bereitliegen. Sorgfältig füge ich eine nicht kopierfähige Folie ins untere Drittel des Stapels ein.

(Heutzutage gibt es kaum noch 'normale' Folien im Handel; praktisch alle sind kopierfähig. Zum Glück hat sich der BAFH schon 1989, als wir das erste Mal das Vergnügen hatten, Donnerstags-Lotto zu spielen, mit einem ausreichenden Vorrat versehen.)

Die Spielregeln zum Donnerstags-Lotto sind ganz einfach: man wartet einfach den ganzen Donnerstag über, bis jemand die gewisse Folie in den Kopierer steckt und die Heizwalzen verbruzzelt. Dann kommen alle übrigen Mitarbeiter und Studenten im Gang zusammen und beobachten mit Genugtuung, wie Frau Bezelmann dem Unglücklichen den Kopf abreisst.

Und jeder freut sich, dass es nicht ihn erwischt hat!

Ausser dem besagten Einen, natürlich! Aber bei jeden Spiel muss es Verlierer geben...

(Man beachte immerhin, dass es beim Donnerstags-Lotto viel mehr Gewinner als Verlierer gibt; die staatliche Lotteriegesellschaft könnte noch vom BAFH lernen!)

Während ich auf die 'Ziehung' warte, beschäftige ich mit mit Doro, der Hausmeisterdogge. Anfangs hatten wir ja eine richtige Beziehungskrise - vor allem konnte Doro nie meine Begeisterung für 'High Tech' teilen - aber inzwischen verstehen wir uns prächtig. Ich stopfe mir die Taschen mit Schmackos voll und führe Doro vor meine geschlossene Bürotüre. Die Schutzschilde (mein bewährtes rotes Pappschild 'Nicht eintreten - Versuch läuft!') sind im Moment nicht hochgefahren. Doro hockt sich auf ihren Schinken in den Flur und beobachtet mich aufmerksam, wie ich mich der Türe nähere und anklopfe.

Nichts passiert. Zur Belohnung bekommt Doro ein Schmacko.

Dann fahre ich die Schutzschilde hoch (sprich: drehe das Schild um) und schliesse die Tür von aussen. Wieder nähere ich mich meiner Bürotüre. Doro beginnt leise zu winseln. Als ich noch einen Meter von der Türe entfernt bin, geht das Winseln in drohendes Knurren über. Es klingt etwa so, wie wenn ein Space-Shuttle startet. Als ich die Hand hebe und so tue, als ob ich anklopfen wollte, richtet sich Doro zu voller Kalbsgrösse auf und bellt einmal warnend. Die Fensterscheiben am Ende des Flures klirren leise nach. Zur Belohnung bekommt Doro zwei Schmackos.

Beruhigt lasse ich Doro auf ihrem Posten und fahre in die Stadt, um mir ein paar neue StarTrek-Videos zu besorgen. Die alten Schinken in unserem Archiv öden mich langsam an, und irgendwie muss man ja die Zeit bis zum Feierabend 'rumbringen.

Als ich nach noch nicht mal drei Stunden zurückkomme, sitzt Doro noch genauso da wie vorher. In ihren Lefzen hängen Reste von Nylon- Strumpfhosen und Fetzen von Jeans-Stoff. Ich gebe Doro noch zwei Schmackos.

Gerade noch rechtzeitig komme ich zur Siegerehrung im Donnerstags- Lotto. Heute hat ein katholischer Theologe das grossen Los gezogen. Geschieht ihm recht! Was hat er hier an unserem Kopierer zu suchen? Keine vier Strassen weiter liegt der nächste Copyshop. Der Candidatus Gottesanbeter lächelt schmerzlich, während Frau Bezelmann ihm schonungslos die Leviten liest. Manchmal frage ich mich, wie diese Burschen es schaffen, in jeder Situation den Märtyrer herauszukehren.

Zwei Stunden später - ich schiebe gerade das nächste Video in den Apparat - rumpelt es störend vor meiner Türe. Bei dem Lärm kann sich kein Mensch konzentrieren, also schaue ich nach, wer es wagt, mich bei der Arbeit zu stören. Ich erblicke zwei Blaumänner, die einen nagelneuen Kopierer auspacken. Direkt vor meiner Bürotüre! Auf meine Erkundigung, was das Bitteschön werden solle, steht Frau Bezelmann wie aus dem Nichts materialisiert neben mir und informiert mich, dass es sich um den Ersatzkopierer für unseren 'Reparaturfall' handele. Der Blick, den sie mir zuwirft, spricht Bände.

"Und warum stellen Sie den ausgerechnet vor meine Türe und nicht dahin, wo der andere stand?" frage ich ungehalten. Ich weiss nämlich schon, wie das ist: das dauernde Geräusch vom Kopierer, Gekicher und Gekreische, und alle 3 Minuten klopft jemand an meine Türe, weil das Papier verkehrt herum drin ist oder weil man nicht weiss, wo die Vorlage hineinkommt.

Man belehrt mich, dass der andere Kopierer ja noch an seinem Platz sei und sonst keine Ort mit Steckdose auf dem Gang zur Verfügung stehe.

Als ich sehe, um welche Steckdose es sich handelt, verzichte ich auf weitere Proteste, ziehe mich nur vorsichtshalber in mein Büro zurück und verrücke den Bürosessel so, dass ich freien Blick auf den Gang habe. Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich um die gewisse Steckdose B46, die nach einer routinemässigen 'Überprüfung' durch die Haustechnik zur sofortigen Versetzung einer unserer Putzfrauen geführt hat. Auf Wunsch der Putzfrau, übrigens; der Staubsauger ging auch dabei drauf.

Gerüchte, dass ich irgendwie in die Sache verwickelt gewesen sei, sind leider niemals verstummt, obwohl jedem, der unsere Haustechnik kennt, klar sein müsste, dass diese auf meine Mithilfe in jeder Hinsicht verzichten kann.

Interessiert beobachte ich, wie die beiden Techniker den nagelneuen Kopierer anschliessen und einschalten. Vorerst scheint alles zu funktionieren. Nach ein paar Probedurchläufen holt der Haupt-Techniker Frau Bezelmann, die auch gleich ein paar der neuen Features ausprobiert. Der Haupt-Techniker redet wie ein BMW-Verkäufer: "...und dann gibt es bei diesem Modell auch noch die neue Super-Power-Option. Sehen Sie, wenn Sie nur von einer Vorlage kopieren, verdoppelt sich die Geschwindigkeit. Sehen Sie her..." Er drückt einen Knopf und der Kopierer reagiert erwartungsgemäss mit Super-Power: Es gibt einen hellen Blitz und eine Serie trockener Explosionen, etwa wie wenn man das Magazin einer Kalaschnikov leerschiesst. Bläuliche Stichflammen schiessen aus allen Lüftungsschlitzen des Kopierers und drohen, Frau Bezelmanns graue Kaschmir-Jacke anzusengen.

Ich halte den Augenblick für gekommen, in das Geschehen einzugreifen. Mit einen Knopfdruck löse ich den in meinen Bürosessel integrierten Feuerlöscher aus, der zwar eigentlich nicht für diesen Zweck vorgesehen ist, aber auch nicht schaden kann. Leider verfehle ich zuerst den Kopierer und verpasse dem Techniker und Frau Bezelmann eine volle Breitseite. Nach einer leichten Korrektur nach links gelingt es mir, den fortschreitend explodierenden Kopierer einzuschäumen. Das Feuerwerk erlischt; auf dem Gang sieht es aus wie nach einer erfolgreichen Notlandung mit Schaumteppich. Frau Bezelmann und der eine Blaumann erheben sich wie zwei missglückte Schneemänner aus der Schaummasse. Der andere Techniker hat sich schlauerweise beim ersten Knall in Sicherheit gebracht.

Seit die Hausmeister aus Versehen 50 Liter Kloreiniger in die Befeuchter der Klimaanlage gekippt hatten, haben wir keinen solchen Spass mehr gehabt!


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Ich rufe die Cluster-Übersicht aufs Display und betrachte mit Befriedigung die vielen kleinen bunten Balken, die alle fleissige CPUs in unserem Netz repräsentieren. Dann leite ich genüsslich einen totalen Shutdown aller Maschinen ein, und ein bunter Balken nach dem anderen wird schwarz.

Heute ist Umzugstag! Umzug bedeute Chaos! Ich liebe Chaos!

Nicht dass wir tatsächlich in ein neues Gebäude ziehen würden! Oh nein! Schliesslich hat die Uni ja bekanntlich kein Geld, und das böse, böse KuMi (Kultusministerium) gibt uns erst recht keines!

Nein, es wurde beschlossen, dass wir hausintern umziehen, damit wenigstens ein Bruchteil der von uns irgendwann in den Siebziger Jahren beantragten Zusatzflächen endlich Realität annimmt. Konkret heisst das, dass wir zwölf neue Räume im Stockwerk unter uns bekommen, aber 10 Räume auf unserem Stockwerk wieder abgeben müssen. Der Reingewinn ist, na...? Genau: 2 (in Worten: ZWEI) ganze Räume mehr!

(Eingeschobene Klammer auf! Wer glaubt, dies sei triviale Arithmetik, der irrt gewaltig! Aber holla! Der BAfH hat es schon mehrfach erlebt, dass in besonders hitzigen Raumplanungssitzungen sogar mit 'virtuellen Räumen' gerechnet wurde! Ein 'virtueller Raum' ist im Gegensatz zum 'realen Raum' ein Raum der zwar nicht existiert, aber zum Ausgleichen von verschiedenen Instituts-Raum-Bilanzen verwendet werden kann. (Bleibt am Ende der Rechnung ein Rest virtueller Raum übrig, hat man einen Fehler gemacht!) Auch über 'imaginären Räume' wurde schon zäh verhandelt. Ein 'imaginärer Raum' ist ganz einfach die Wurzel aus einem negativen Raum. (Wobei nachher niemand mehr so genau sagen konnte, wie es überhaupt zu einem negativen Raum in der Bilanz kommen konnte. Die Kollegen von der theoretischen Physik behaupteten später zwar, es handelte sich möglicherweise um eine räumliche Quantenfluktuation, so ähnlich wie ja auch Elektronen und Positronen jederzeit spontan entstehen und wieder verschwinden können. Nur: die entsprechenden positiven Pendants sind nirgendwo wieder aufgetaucht (böse Zungen behaupten noch heute, dass die Physiker sie einfach geklaut haben!).) Eingeschobene Klammer wieder zu!)

An einer Universität, wo jeder halbe Quadratmeter Boden - vergleichbar den Grabenkämpfen des ersten Weltkriegs - heiss umkämpft wird, sind zwei Räume netto mehr ein beachtlicher Etappensieg, der nur durch zähes, jahrelanges Verhandeln mit der Uni-Verwaltung erreicht werden kann.

Es klopft an meiner Türe, obwohl die Schutzschilde oben sind. Folglich kann es nur der Chef persönlich sein. "Guten... ähm... Morgen, Herr Leisch. Äh... mein Rechner ist... hm... ganz plötzlich... ja... der Bildschirm wurde plötzlich dunkel..."

Ich erinnere den Chef höflich daran, dass wir heute umziehen und daher das gesamte Netz heruntergefahren wird. "Ah... ja richtig. Äh... wo...?" Ich drücke dem Chef seinen Laufplan in die Hand, den ich vorsorglich schon bereitgelegt hatte. "Hier ist alles genau festgelegt", erläutere ich, "Sie können genau sehen, wohin Ihre Möbel nacheinander transportiert werden müssen."

Der Chef studiert mit hochgeschobener Brille den Plan. "Hmm... ja. Merkwürdig. Ich... ähm... dachte, wir hätten... äh... nur zwölf Räume dazubekommen und... ähm... müssten 10 wieder abgeben..." Ich bestätige, dass dem so sei. "Äh... ja, aber... hm... soweit ich das hier... äh... sehe, müssen insgesamt 17 Räume 23mal umgezogen werden. Mein Büro... ähm... sogar dreimal...?" "Das liegt daran, dass wir keine Räume zum Zwischenlagern der Möbel haben und ausserdem komplizierte Netzbeziehungen zwischen den einzelnen Maschinen bestehen", erkläre ich geduldig. "Zum Beispiel muss der Router B zuerst einmal von Raum 345 nach 265 und dort wieder in Betrieb genommen werden. Dann können die Räume 332, 333 und 334 nach 214, 215 und 219 umgeräumt werden, weil erst dadurch das Subclusternetz Alpha umziehen kann. Dann muss der Router B wieder zurück nach..." "Gut, gut", unterbricht mich der Chef hastig. "Das... äh... mag ja alles so sein. Aber... wenn ich das hier... äh... richtig verstehe, dann sind meine Möbel zum Schluss... hm... wieder im selben Raum?" "Der Plan ist das Ergebnis einer Computersimulation mit SIMLINK", sage ich milde, um die Diskussion zu beenden. "Ach so!" freut sich der Chef, und seine Stirn glättet sich schlagartig. "SIMLINK, was? Na, dann... äh... hat das ja sicher... sicher seine... äh... Richtigkeit, nicht?"

Dass ich die Randbedingungen für unseren automatisierten Problemlöser SIMLINK etwas eigenwillig gestaltet habe, muss ich ja nicht extra erwähnen. Nach der ersten Lösung, die unser neuestes KI-System ausgespuckt hatte, wären nur 13 Transporte nötig gewesen! Eine solche Lösung nimmt einem keiner ab! Viel zu einfach!

Ein Umzug hat chaotisch zu sein! Dafür sorge ich!

Ich rufe die Haustechnik an und gebe die letzten Anweisungen: "Passen Sie auf: Das Backbone-Kabel, 3. Segment muss durch die Räume 217, 218 und bis nach 222 und von dort durch die Decke nach 322 verlegt werden..." "Aber dann führt das Kabel ja durch die Cafeteria...?" Warum müssen die Leute immer mitdenken! Sollen sie das Denken doch mir überlassen! Erwähnte ich schon mal, dass ich in Zukunft Bestellungen per Netzwerk an die Cafete stellen wollte? Na, also! Und jetzt kommt irgendein dahergelaufener Installateur und stellt meine Planung in Frage! "Nach unsrer Computersimulation ist das der günstigste Weg", sage ich. Der Mann von der Haustechnik ist nicht so leicht zu überzeugen wie der Chef: "Also, ich denke aber..." "Sie haben aber gar keine Zeit mehr zum Denken", sage ich milde. "Häh?!" "Sie sollten lieber Ihre Zeit nutzen und noch einmal die Feuermelder und Rauchsensoren in der Tiefgarage überprüfen. Nur damit es nicht zu plötzlichen FEHLFUNKTIONEN kommt..." "Fehlfunktionen? In der Tiefgarage? Oh..."

MEMORY KICKED IN!

"Oh! Ja, Sie haben sicher recht. Ich sollte mich nochmal um die... hmm... Feuermelder kümmern... Ja, dann... äh... ist ja wohl alles klar..." Anscheinend ist ihm gerade noch rechtzeitig wieder eingfallen, dass er es mit dem BAfH persönlich zu tun hat.

Ich mache mir eine kleine Vormerkung im elektronischen Kalender, dass ich meine kleinen Feuerübungen in der Tiefgarage in Zukunft etwas häufiger durchführen werde!

Kollege W. stürmt in mein Büro; auf seinen Wangen zeichnen sich rote Flecken ab und sein Atem geht heftig. "Wo ist die BS2000 hingekommen?" schreit er mit überschnappender Stimme. Ich werfe einen Blick auf meinen Plan. "Liegt bereits sicher verwahrt im Container PL-X1", sage ich. "Oh... ah! Äh... gut. Und wo steht dieser Container im Moment?" "Im Rostoff-Sammelhof."

Zehn, neun, acht, sieben, sechs,...

"WAS???" "Die uralte Kiste fiel ja schon beim Tragen auseinander. Mein Lieber, es gibt auch für Maschinen gewisse Lebenserwartungen. Alles, was darüber hinaus geht, ist doch nur Maschinen-Quälerei. Wollen Sie, dass uns der Maschinenschutzbund verklagt?" "Wir waren 17 Jahre zusammen!" Kollege W. ist den Tränen nahe. "Aber... aber womit soll ich denn jetzt...?"

"Sie bekommen eine wunderhübsche junge knackige Workstation mit 170 Megahertz", sage ich. "Ein Baby, das Ihnen schon nach ein paar Tagen schlaflose Nächte bereiten wird. Reissen Sie sich zusammen, Mann! Sie sind doch wirklich noch nicht zu alt für eine neue Beziehung!" Kollege W. zieht einen Schmollmund: "Die Neue kann bestimmt kein Fortran und PL", sagt er trotzig. "Aber natürlich kann sie das. Sie kommt mit den besten Präferenzen", sage ich schmeichelnd und gucke wieder auf den Plan. "Sie wartet schon auf Sie, im Raum 233. Vielleicht sollten Sie gleich mal hingehen und Ihr Jungfern-Programm starten."

Kollege W. zieht grollend ab. Ich logge mich auf seinem neuen 'Baby' ein und starte das Programm FREUDIANER-7. Das wird ihm helfen, darüber wegkommen.

Warum haben wir eigentlich keinen Seelen-Klempner am Institut?


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Das Telefon klingelt. Schon wieder! Das ist jetzt das dritte Mal dieses Jahr!

Ausnahmsweise gehe ich ran. Ein User, genauer gesagt eine Userin, ist dran. "Ähm... meine Workstation gibt komische Töne von sich", sagt sie. Ich kenne die Stimme nicht. Offensichtlich ein Frischling. "Tatsächlich", sage ich beeindruckt. "Was denn für Töne? Singt sie klingonische Opern?" "Nein, nein. Es ist eher so ein... ein tiefes Rumpeln vermischt mit einem unregelmässigen Leiern..." Meiner Meinung nach klingt das ziemlich nach klingonischer Oper! Ich frage nach dem Host-Namen und sie sagt ihn mir. Ein ziemlich frischer Frischling!

"Aha", sage ich. "Tiefes Rumpeln, meinen Sie? Schaut mir ganz nach einem leichten Virenbefall aus. Lassen Sie denn regelmässig Viren- Checker drüberlaufen? Zum Beispiel 'Sagrotan', 'Cebion' oder 'Domestos III'." "Äh... nein. Nicht dass ich wüsste..." "Vorbeugen ist sehr wichtig", sage ich ernst. "Schauen wir mal, wie es mit dem Immunsysten steht. Geben Sie man den Befehl 'immun- system' ein." <klickediklackedi> "Ähm... 'immun-system not found' meldet er..." "Not found? Steht da wirklich 'not found'?" Ich lasse meine Stimme dramatisch ansteigen. "Das sieht ja ganz übel aus. Warum haben Sie nicht schon vorher angerufen..." "Ist das was Ernstes?" flüstert sie eingeschüchtert. "Ernstes? Hoffen wir, dass es noch nicht zu spät ist. Halten Sie mal den Telefonhörer ganz dicht ans Gehäuse, damit ich eine hypostatisch- akustische Ferndiagnose durchführen kann." "Ähm... ok", nuschelt sie und es raschelt im Hörer. "Äh... das Telefon reicht nicht bis zum Rechner..." "Dann sollten Sie den Rechner eben zum Telefon bringen", sage ich. Dass die Leute auch über keinen Funken logisches Denken verfügen! "Aber... muss ich dazu nicht vorher ausschalten?" "NEIN! Wissen Sie nicht, dass man vernetzte Rechner niemals einfach ausschalten darf?! Das ganze homophone Accelerator-Cluster kann desharmonisiert und retrogradient sub-stabil werden - und dann haben wir den Salat!" "Oh!..." IMPRESSION MODE ON "... ok, dann trage ich die Workstation jetzt hierher", sagt sie eingeschüchtert.

Ich starte rasch ein paar rechenintensive Jobs auf ihrem Host, die ständig auf die Platte zugreifen, in der Hoffnung, dass die Platte beim Rübertragen crashed. Aber leider sind die Platten auch nicht mehr das,was sie früher einmal waren: vor noch ein paar Jahren brauchte man so ein Winchester-Laufwerk nur schief anblicken und schon... zupf!

"Hallo?", meldet sie sich wieder. "Da sind so komische gelbe Kabel hinten festgemacht. Die reichen nicht bis zum Telefon...." "Das ist nur das Ethernet. Ziehen Sie sie einfach ab", sage ich. "Und alle anderen Kabel können Sie auch gleich abziehen. Aber passen Sie auf, dass das Stromkabel drin bleibt! Wir wollen doch nicht, dass Ihre Maschine abstürzt!"

Sie macht es! Ehrlich, manchmal frage ich mich, was Eltern ihren Sprösslingen eigentlich 18 Jahre lang beibringen!

"Der Schirm ist plötzlich dunkel geworden..." "Das macht nichts", erläutere ich. "Ausserdem erleichtert das die hypostatisch-akustische Ferndiagnose, wenn der Schirm nicht mehr stört. Kommt der Hörer jetzt bis ans Gehäuse? Gut. Jetzt halten Sie die Sprechmuschel etwa drei Zentimeter unterhalb der Lüfteröffnung auf der Rückseite fest ans Gehäuse und dann warten Sie, bis es piepst." "Piepst?" "Genau."

Sie macht es!!! Ich lege den brummenden Hörer beiseite und gehe erstmal hinunter in die Cafete.

Eine Stunde später - die Cafete macht leider schon um fünf Uhr zu - nehme ich den Hörer wieder zur Hand sage laut "Piep!". "Ok", sage ich. "Jetzt ist alles klar!" Die Userin jammert über Rückenschmerzen und Krämpfe im Unterarm. "Dafür wissen wir jetzt genau, was Ihrer Maschine fehlt", sage ich tröstend. "Und? Was ist kaputt?", will sie erschöpft wissen. "Ja, hmm", sage ich zögernd und klappere mit der Tastatur, "ich weiss nicht, wie ich es Ihnen sagen soll... Also, die genaue Diagnose heisst: Plattenunwucht infolge sub-akuter MMDHS. Ziemlich selten, muss ich sagen." Ich warte geduldig auf die nächste Frage. "Und... und was ist MMDHS?" "MMDHS steht für 'Mensch-Maschine-DisHarmonie-Syndrom'. Sagen Sie - jetzt mal ehrlich! - haben Sie Ihre Workstation in letzter Zeit irgendwie... hmm... ja, mit negativen Ausdrücken bedacht?" "Nein, bestimmt nicht!" "GANZ SICHER NICHT? Auch keine herabmindernden Ausdrücke? 'Blöde Blechschachtel', 'Sch... Kiste', 'Ziffern-Trottel', 'Verkalkte Rechenmühle', Lahme CPU'? Nichts von alledem? 'Transistor-Grab', 'Kybernetische Schnecke', 'Rostiges Rechenwerk'. Das ist nichts, worüber Sie sich schämen müssten; das kommt in den besten Beziehungen vor. Besser Sie sagen es mir gleich, dann ist die Behandlung hinterher sehr viel einfacher..." Am anderen Ende der Leitung schluchzt es leise. "NAAA?" "Letzte Woche habe ich sie mal - aber nur einmal - 'Debiler Rechenschieber' genannt", schnieft sie reumütig durchs Telefon. "Tststs. 'Rechenschieber' für eine 200 Megahertz Alpha, das ist natürlich hammerhart", sage ich. "Wir hatten bisher ein so gutes Verhältnis miteinander", heult sie. "Nanana", beruhige ich, "das kriegen wir schon wieder hin. Ich lösche einfach in sämtlichen Dateien den Begriff Rechenschieber, ok? Jetzt müssen Sie die Maschine nur noch an ihren Platz zurücktragen und die Kabel genau in der umgekehrten Reihenfolge wieder einstecken..." "Aber... die weiss ich nicht mehr..." "Schlecht, sehr schlecht", sage ich sorgenvoll, "dann wird sie Ihnen wahrscheinlich abstürzen. Hoffentlich wird kein traumatisches Erlebnis daraus. Denken Sie bitte in Zukunft immer daran, beim Booten die Hand aufs Gehäuse zu legen. Das MMDHS baut sich durch statische Elektrizität auf und der Hautkontakt hilft, solche Spannungen abzuleiten." Sie verspricht es schniefend und legt auf.

Eigentlich sollte ich Honorare verlangen für meine Rechnerseelsorge...

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